Das Projekt verfolgt das Ziel, Muster in den Fachsprache(n) der Ingenieurwissenschaften am Beispiel der Automobiltechnik systematisch zu erfassen und linguistisch zu beschreiben. Die Grundlage dafür bildet das Korpus Gingko (Geschriebenes ingenieurwissenschaftliches Korpus), das 2.498 wissenschaftliche Artikel aus zwei der renommiertesten deutschsprachigen Fachzeitschriften im Bereich der Automobiltechnik umfasst. Die Ergebnisse des DFG-geförderten Projekts sollen für die Vermittlung des Deutschen als fremde Wissenschaftssprache nutzbar gemacht werden.

Aktuelles

Pünktlich zum Projekt-Workshop „Weichgeglüht und luftvergütet“ wurde Gingko im Deutschen Referenzkorpus des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache veröffentlicht.

Gingko ist nun im Deutschen Referenzkorpus  des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache veröffentlicht und über die Analyseplattformen KorAP  und COSMAS II abfragbar.

Die verlinkten Video-Tutorials und die Liste von Beispielsuchanfragen veranschaulichen die Nutzung von Gingko von KorAP. Detaillierte Informationen stellt das Korpushandbuch zur Verfügung.

Video 1: Benutzeroberfläche und Korpusauswahl
MP4 13 MB

Video 2: Suchanfrage
MP4 24 MB

Video 3: Trefferexport
MP4 13 MB

Beispielsuchanfragen
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Korpushandbuch
PDF 1 MB

 

Am 9. und 10. Februar 2022 fand der Workshop „Weichgeglüht und luftvergütet – Potenziale eines ingenieurwissenschaftlichen Korpus“ statt. Die Vorträge und Diskussionen behandelten folgende Fragen:

  • Welche Möglichkeiten eröffnen Gingko und weitere fachwissenschaftliche Korpora für Forschung und Didaktik im Bereich Deutsch als fremder Wissenschaftssprache? Welche Ergebnisse liegen bereits vor?
  • Welche technischen Möglichkeiten bieten die Such- und Analysetools des IDS? Wie können sie zukünftige Fragestellungen und die Nutzung von Korpora im Unterricht inspirieren?
  • Welche Möglichkeiten bietet eine Inventarisierung (ingenieurwissenschaftlicher) sprachlicher Muster in Repositorien wie dem FrameNet und dem Konstruktikon? Welche Impulse können Frame-Semantik und Konstruktionsgrammatik dem L2-Lehren und -Lernen geben?

 

Gingko – Geschriebenes ingenieurwissenschaftliches Korpus

Lars Schirrmeister und Annette Portmann (Universität Leipzig)

Gingko ist als (zukünftig) öffentlich zugängliches Korpus der geschriebenen wissenschaftlichen Fachsprache der Automobil- und Motortechnik das erste seiner Art in deutscher Sprache. Es deckt einen wichtigen Teil der Wissenschaftssprache des Maschinenbaus und somit auch der fachwissenschaftlichen Sprache(n) des Ingenieurwesens ab. Der Vortrag zeichnet die wichtigsten Ausgangsüberlegungen zur Erstellung Gingkos sowie dessen Entstehungsgeschichte nach und geht auf seine Architektur ein. Daneben wird über seine Anwendungsmöglichkeiten nachgedacht.

 

Präpositionen und Konnektoren in Gingko am Beispiel der kausalen Relation

Marlene Rummel (Technische Universität Dresden)

Für wissenschaftliche Fachtexte wird häufig eine generelle Tendenz zu nominalen Strukturen und damit auch zu präpositionalen im Vergleich zu konnektoralen Konstruktionen angenommen. Gingko bietet nun die Möglichkeit, diese Annahme für den Bereich der Automobiltechnik empirisch auf den Prüfstand zu stellen und herauszuarbeiten, inwiefern sie in ihrer generellen Form zutrifft oder aber für einzelne semantische Relationen modifiziert werden muss. Dies soll im Vortrag anhand der kausalen Relation skizziert werden, wobei auch mögliche Ursachen für etwaige Abweichungen von der grundsätzlichen Nominalisierungsvorliebe in den Blick genommen werden.

 

Von gewünschten Eigenschaften und den Techniken, die sie ermöglichen: Der Gebrauch von Partizipialattributen und Relativsätzen in Fachaufsätzen der Automobiltechnik

Cordula Meißner (Universität Innsbruck)

Die Verdichtung von Informationen in nominalen Strukturen ist ein Kennzeichen von Fachsprachen und als solches auch Gegenstand der fachbezogenen Fremdsprachenvermittlung. In Bezug auf die Attributrealisierung in der Nominalphrase werden dabei in Lernergrammatiken häufig Partizipialattribut und Relativsatz als alternative Ausdrucksformen behandelt. Der Vortrag stellt eine auf dem Gingko-Korpus basierende Untersuchung vor, die anhand von Kollexemanalysen zeigt, dass in automobiltechnischen Fachaufsätzen bestimmte Verben signifikant häufiger in einer dieser beiden Strukturen vorkommen. Über die ermittelten Gebrauchspräferenzen lässt sich nachzeichnen, welche fachspezifischen Inhalte in den Texten typischerweise als Partizipial- oder Relativsatzattribut realisiert werden. Die Ergebnisse verdeutlichen damit am Beispiel einer ingenieurwissenschaftlichen Disziplin, wie durch korpuslinguistisch-konstruktionsgrammatische Analysen auf der Basis von Spezialkorpora eine empirische Grundlage für die fachbezogene Fremdsprachenvermittlung gewonnen werden kann. 

 

Unpersönliche Ausdrücke in Gingko

Lars Schirrmeister (Universität Leipzig)

Nicht zuletzt wegen des sog. Ich-Verbots in ingenieurwissenschaftlichen Fachtexten sind auch in Gingko unpersönliche Ausdrucksmuster sehr prominent. Darunter werden die unterschiedlichen Passivvarianten sowie deren Ersatzformen verstanden. In DaF/Z-Lehrmaterialien werden die Passiva und ihre Ersatzformen häufig als beliebig gegeneinander austauschbar dargestellt, was sich auch in entsprechenden „mechanischen“ Transformationsübungen zeigt. Bei genauerer Betrachtung aus korpuslinguistischer Perspektive stellt sich jedoch recht schnell heraus, dass von einer vollständigen Austauschbarkeit nicht ausgegangen werden kann. Im Vortrag werden Ergebnisse der Untersuchung zu drei unpersönlichen Ausdrucksmustern vorgestellt, um eine differenzierte Sichtweise und Darstellung für zukünftige DaF/Z-orientierte Gegenstandsbeschreibungen zu ermöglichen.  

 

Potenziale der Integration des Gingko-Korpus in DeReKo und seiner Analyse mit KorAP

Harald Lüngen, Marc Kupietz, Nils Diewald, Eliza Margaretha, Denis Logvinenko, Helge Stallkamp (Leibniz-Institut für Deutsche Sprache)

Im ersten Teil unseres Vortrags beschreiben wir die Konvertierung des Gingko-Korpus in das TEI-I5-Format, seine Integration in das Deutsche Referenzkorpus DeReKo und die damit verbundenen Absichten bzgl. langfristiger Kuration. Im zweiten Teil führen wir in die Grundlagen der für DeReKo verwendeten Korpusanalyseplattform KorAP ein. Wir zeigen dabei am Beispiel des Gingko-Korpus die Möglichkeiten zur Definition virtueller Korpora, zur Suche anhand multipler und potenziell konkurrierender linguistischer Annotationen und die Potenziale von reproduzierbaren komplexen Analysen und Visualisierungen mithilfe von KorAP's Bibliotheken für die Programmiersprachen R und Python. Darüber hinaus gehen wir kurz auf die Möglichkeiten zur Erweiterung der KorAP-Funktionalitäten, z.B. über Plugins, ein.

 

Semantische Ausgangsspracheneffekte in Fach- und Gemeinsprache als Brücke zwischen Translatologie und DaF/DaZ-Forschung?

Oliver Czulo (Universität Leipzig)

Die korpusbasierte Übersetzungswissenschaft hat sich intensiv mit Einflüssen ausgangssprachlichen Materials auf zielsprachliches Material befasst. Dabei standen bisher grammatikalische Muster und lexikalische Auswahlmuster im Fokus, die auf Effekte wie Normalisierung (Tendenz zu konservativeren Formen) oder Durchscheinen (Mittelposition von Übersetzungen hinsichtlich quantitativer Profile linguistischer Eigenschaften zwischen Ausgangs- und Zielsprache) hin untersucht wurden. Tiefere semantische Analysen stehen allerdings größtenteils noch aus.

In diesem Vortrag werde ich auf ausgewählte erste Ansätze eingehen, in denen semantische Eigenschaften von Übersetzungen im Abgleich mit ausgangssprachlichen Eigenschaften untersucht wurden. Diese befassen sich allerdings hauptsächlich mit der 'Gemeinsprache', obwohl zumindest die professionelle Übersetzung sich überwiegend in der Fachkommunikation abspielt; der Übertrag auf fachsprachliche Gegebenheiten ist also ein Desideratum. Die vorgestellten Ansätze stützen sich auf distributionelle oder framesemantische Analysen. Ich versuche daraus Analysekategorien abzuleiten, die mittels framesemantischer Modellierung Strategien beschreiben können, wie in Übersetzungen mit semantischen Divergenzen zwischen Ausgangs- und Zielsprache umgegangen wird. Da Ausgangsspracheneffekte sich nicht nur auf die Sprachkontaktsituation Übersetzen beschränken, sollten sich daraus auch Möglichkeiten für die Anwendung in der DaF/DaZ-Forschung ergeben.

 

FrameNet und Deutsch als (fremde) Fachsprache: Möglichkeiten und Perspektiven der Integration fachwissenschaftlicher Korpusdaten in frame-semantische Repositorien

Alexander Willich (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)

Das German FrameNet (german-framenet.de) ist ein Repositorium von Bedeutungsrahmen (Frames) zur semantischen Beschreibung von Wörtern, aufbauend auf dem für das Englische entwickelten Berkeley FrameNet (Fillmore, Johnson & Petruck 2003; Fillmore & Baker 2010; Ruppenhofer et al. 2016). Bedeutungsähnliche Wörter werden dort durch ihre Zuordnung zu demselben Frame erfasst, während Frames zueinander in vielfältigen semantischen Beziehungen stehen. Frames stellen damit die Basis für (Wort-)Bedeutungen dar (Ziem 2020).

Der Vortrag soll erörtern, welche Möglichkeiten FrameNet für die Vermittlung von Deutsch als (fremder) Fachsprache bieten kann und welche Perspektiven die Integration fachsprachlicher Korpusdaten wie die des Geschriebenen ingenieurwissenschaftlichen Korpus (GingKo) für FrameNet selbst eröffnet.

Zwar gab und gibt es Bestrebungen, frame-semantische Ressourcen für fachsprachliche Domänen zu implementieren (z.B. Dolbey 2009; Schmidt 2009; Malm et al. 2018; Neumann-Schneider & Ziem 2020), jedoch sind theoretische Implikationen wie auch der praktische Nutzen weitgehend unerforscht. Die Erweiterung um Fachwörter erweist sich mithin als vielversprechende Perspektive zur Erweiterung der durch FrameNet beschreibbaren sprachlichen Einheiten und der Ausdifferenzierung von Frames und ihren Strukturen.

Als Ressource für die Vermittlung von Deutsch als (fremder) Fachsprache kann FrameNet nicht nur für die gemeinsprachliche Wortschatzbeschreibung und -vermittlung eingesetzt werden, sondern auch fachsprachenlinguistischen und -didaktischen Zwecken dienen. Durch die frame-semantische Strukturierung des Wortschatzes steht eine neue Form der Semantisierung und Wörterbucharbeit zur Verfügung, die an existierende Vermittlungsformen (vgl. etwa Köster 2001) anschlussfähig ist.

 

(Fach-)Konstruktikographie und die Architektur eines (Fach-)Konstruktikons

Alexander Ziem (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)

Gemessen an der Vielzahl der Varietäten, die in jeder Sprachgemeinschaft vorzufinden ist, bleibt ‚das' Konstruktikon einer Sprache zwangsläufig eine kühne Idealisierung. Auch bei einer Beschränkung auf die synchrone Dokumentation standardsprachlicher Konstruktionen ist zwangsläufig eine mehr oder weniger motivierte Auswahl von als relevant erachteten Phänomenen zu treffen. Unter welchen Bedingungen ist aber eine (lexikalische oder grammatische) Konstruktion nicht mehr als ‚standardsprachlich', sondern als ‚fachsprachlich' zu klassifizieren? Und inwiefern kann bzw. sollte dies Auswirkungen auf die Struktur eines Konstruktikons und insbesondere seiner Einträge haben? Im Kontext der bestehenden Architektur des „Konstruktikon des Deutschen" werden am Beispiel ausgewählter Konstruktionen derartige Fragen diskutiert.

 

Die Idee zum „ID“ – E-Mobilität als Thema im Fachkurs Technisches Deutsch

Ines Busch-Lauer (Westsächsische Hochschule Zwickau)

Elektromobilität ist zum Schlagwort für klimafreundlichen Verkehr gereift und steht für einen massiven technologischen Wandel in der Automobilindustrie. Aufgrund der Traditionen dieses Industriezweigs in der Zwickauer Region ist es nur folgerichtig, das Thema E-Mobilität in einen Fachdeutschkurs für angehende Ingenieure an der WHZ zu integrieren. Der Vortrag verfolgt das Ziel, beispielhaft aufzuzeigen, wie authentisches Fachtextmaterial verschiedener Textsorten zum Thema E-Mobilität selektiert, nach fachgebietsrelevanten Kriterien analysiert und didaktisch für eine Zielgruppe zur Fertigkeitsentwicklung aufbereitet werden kann. In diesem Kontext wird auch der Frage nachgegangen, wie Korpuslinguistik, speziell Korpora wie Gingko, genutzt werden können, um verschiedene Lehr-Lernszenarien zu entwickeln. Es zeigt sich, dass ein korpusbasiertes Herangehen die Entwicklung von Lehrmaterialien und damit die Fremdsprachenvermittlung sehr sinnvoll unterstützen kann, insbesondere wenn es um die Entwicklung von Recherchekompetenz, um wissenschaftliches Arbeiten im Fach, das Aufzeigen von Fachvokabular im Kontext, das Verstehendes Lesen und die Entwicklung von Schreibroutinen geht. Allerdings ist auch festzustellen, dass Korpora permanent aktualisiert und erweitert werden sollten, da sich moderne Fachkommunikation über verschiedene Kanäle und Medien realisiert und – wie im Fall von Elektromobilität – sehr dynamischen Veränderungen unterliegt.

 

Sinnvoll – eine überschätzte Kategorie

Dorothea Hartkopf (Sprachenzentrum Technische Universität München)

Deutschunterricht für angehende Ingenieur*innen an einer großen unternehmernahen Universität wie der TUM: Welche Formate, welche Lernziele und -inhalte setzen sich durch und warum? Um diese Frage zu beantworten, werden vielfältige Einflussfaktoren auf die Gestaltung des Programms beleuchtet.

 

Literatur

Dolbey, Andrew E. (2009): BioFrameNet: a FrameNet Extension to the Domain of Molecular Biology. Dissertation. Berkeley: University of California, Berkeley.

Fillmore, Charles J. & Collin F. Baker (2010): A Frames Approach to Semantic Analysis. In Bernd Heine & Heiko Narrog (Hrsg.), The Oxford Handbook of Linguistic Analysis, 313–339. Oxford: Oxford University Press.

Fillmore, Charles J., Christopher R. Johnson & Miriam R. L. Petruck (2003): Background to FrameNet. International Journal of Lexicography 16 (3), 235–250.

Köster, Lutz (2001): Wortschatzvermittlung. In Gerhard Helbig, Lutz Götze, Gert Henrici & Hans-Jürgen Krumm (Hrsg.), Deutsch als Fremdsprache: Ein internationales Handbuch (Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 19.2), 887–893. Berlin, New York: De Gruyter.

Malm, Per, Shafqat M. Virk, Lars Borin & Anju Saxena (2018): LingFN: Towards a Framenet for the Linguistics Domain. In Tiago Timponi Torrent, Lars Borin & Collin F. Baker (Hrsg.), Proceedings of the LREC 2018 Workshop: International FrameNet Workshop 2018: Multilingual Framenets and Constructicons, 37–43. Miyazaki: European Language Resources Association.

Neumann-Schneider, Anastasia & Alexander Ziem (2020): LingTermNet: Entwicklung und Konzeption eines FrameNet für linguistische Fachterminologie. In Christian Lang, Roman Schneider, Horst Schwinn, Karolina Suchowolec & Angelika Wöllstein (Hrsg.), Grammatik und Terminologie: Beiträge zur ars grammatica 2017 (Studien zur deutschen Sprache 82), 105–128. Tübingen: Narr Francke Attempto.

Ruppenhofer, Josef, Michael Ellsworth, Miriam R. L. Petruck, Christopher R. Johnson, Collin F. Baker & Jan Scheffczyk (2016): FrameNet II: Extended Theory and Practice. Berkeley: International Computer Science Institute.

Schmidt, Thomas (2009): The Kicktionary – a multilingual lexical resource of football language. In Hans C. Boas (Hrsg.), Multilingual FrameNets in Computational Lexicography: Methods and Applications (Trends in linguistics. Studies and monographs 200), 101–134. Berlin, New York: De Gruyter Mouton.

Ziem, Alexander (2020): Wortbedeutungen als Frames: ein Rahmenmodell zur Analyse lexikalischer Bedeutungen. In Jörg Hagemann & Sven Staffeldt (Hrsg.), Semantiktheorien II: Analysen von Wort- und Satzbedeutungen im Vergleich (Stauffenburg Einführungen 36), 27–56. Tübingen: Stauffenburg.

 

Blatt_vom_Gingko
Foto: Noppharat Manakul

Das Projekt

Im Projekt werden unterschiedliche grammatische Muster, die für die Fachsprache(n) der Ingenieurwissenschaften als typisch gelten, mithilfe des Korpus Gingko datenbasiert untersucht. Das Projekt wurde im April 2017 an der Universität Greifswald begonnen (Projektleitung: Junior-Professorin Dr. Antje Heine) und wird seit Juli 2020 bis August 2022 am Herder-Institut weitergeführt (Projektleitung: Professor Christian Fandrych).

Deutsche Hochschulen erfreuen sich seit über zehn Jahren einer wachsenden Zahl internationaler Studierender. 37 Prozent aller Bildungsausländer/innen (Studierende ohne deutsche  Hochschulzugangsberechtigung) waren 2017 in ingenieurwissenschaftlichen Fächern eingeschrieben, was die größte Gruppe der Bildungsausländer/innen darstellt (vgl. Heine/Schirrmeister/Anderson 2019: 2–3). In einigen Fachgebieten tendieren die Studienprogramme zwar zum Englischen als Unterrichtssprache, jedoch nutzen nur wenige Studiengänge ausschließlich Englisch und in fast allen Studiengängen der traditionelleren Bereiche wie Maschinenbau wird zumindest an den neun führenden Technischen Universitäten in Deutschland auf Deutsch unterrichtet (vgl. Heine 2019: 4–5).

Somit sind fundierte Kenntnisse des Deutschen als Wissenschaftssprache für internationale Studierende in der Regel essenziell für ihren Studienerfolg. Wie Aussagen verantwortlicher Lehrkräfte sowie kleinere Untersuchungen zeigen, haben zahlreiche internationale Studierende der Ingenieurwissenschaften jedoch häufig Schwierigkeiten damit, sich entsprechende Kenntnisse im Bereich des Deutschen als Wissenschaftssprache und in den wissenschaftlichen (deutschen) Fachsprachen anzueignen, was nicht zuletzt auch auf die geringe Menge geeigneter Lehrmaterialien zurückgeht.

Für die zukünftige Erstellung von adäquaten Lehr- und Lernmaterialien sind empirisch fundierte Erkenntnisse über die sprachlichen Besonderheiten von Fach- und Wissenschaftssprachen notwendig. Bislang fehlte eine entsprechende belastbare Datengrundlage zur Gewinnung dieser Erkenntnisse. Mit Gingko soll eine solche Grundlage im Bereich der automobiltechnischen geschriebenen wissenschaftlichen Fachsprache erarbeitet und der Forschungsgemeinschaft zur Verfügung gestellt werden. Das Projekt zielt darauf ab, eine Basis für eine empirisch fundierte Sprachförderung für internationale Studierende zu legen.

Im Rahmen des Projektes sollen üblicherweise angenommene Charakteristika ingenieurwissenschaftlicher und technischer Fach- und Wissenschaftssprachen empirisch auf den Prüfstand gestellt und datenbasiert bzw. -geleitet beschrieben werden. Die Projektziele werden in den unterschiedlichen Teilprojekten konkretisiert.

Bislang werden resp. wurden folgende größere Teilprojekte bearbeitet:

  1. Die Ermittlung und Analyse ausgewählter unpersönlicher Ausdrucksmuster
  2. Nominalisierung (vor allem im Zusammenhang mit der Versprachlichung semantischer Relationen) 
  3. Verwendung figurativer Verben als ein Beispiel der Alltäglichen Wissenschaftssprache
  4. Attributskonstruktionen und ihre jeweiligen Funktionen

Durch verschiedene statistische Methoden (z.B. Kookkurrenzanalyse, Analyse distinktiver Kollexeme) werden sprachliche Muster, die Ausdruck einer usualisierten Sprachverwendung sind, erfasst, systematisiert und beschrieben.

Gingko (Geschriebenes ingenieurwissenschaftliches Korpus) ermöglicht quantitative und qualitative Analysen eines repräsentativen Ausschnitts der geschriebenen ingenieurwissenschaftlichen Fachsprache der Automobiltechnik. Es besteht aus bisher 2498 wissenschaftlichen Artikeln der Zeitschriften Automobiltechnische Zeitschrift (ATZ) und Motortechnische Zeitschrift (MTZ) der Jahrgänge 2007 bis 2016; dies entspricht circa 4,7 Millionen Token. Gingko ist im Deutschen Referenzkorpus  des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache veröffentlicht und über die Analyseplattformen KorAP  und COSMAS II abfragbar.

Die verlinkten Video-Tutorials und die Liste von Beispielsuchanfragen veranschaulichen die Nutzung von Gingko von KorAP. Detaillierte Informationen stellt das Korpushandbuch zur Verfügung.

Video 1: Benutzeroberfläche und Korpusauswahl
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Video 2: Suchanfrage
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Video 3: Trefferexport
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Beispielsuchanfragen
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Meißner, C. (2022). Attributrealisierung und Nominalstil in der Sprache der Ingenieurwissenschaften: Kollexemanalysen zum Gebrauch von Partizipialattributen und Relativsätzen. Deusch als Fremdsprache(2), 88–104. dafdigital.de/.download/165375/daf_20220204.pdf

Schirrmeister, L., Rummel, M., Heine, A., Suppus, N. & Mendoza Sánchez, B. (2021). Gingko – ein Korpus der ingenieurwissenschaftlichen Sprache. Deutsch als Fremdsprache(4), 214–224. doi.org/10.37307/j.2198-2430.2021.04.04

Heine, A. (2019). Wozu (ge-)brauchen Ingenieure figurative Verben? Eine Analyse auf Basis wissenschaftlicher Artikel. Informationen Deutsch als Fremdsprache. https://doi.org/10.1515/infodaf-2019-0057

Heine, A. & Rummel, M. (2019). Funktion statt Transformation: Kausale Relationen in wissenschaftlichen Texten. In I.-A. Busch-Lauer (Hg.), Studien zu Fach, Sprache und Kultur: Bd. 7. DaFF-Impulse – Deutsch als Fremd- und Fachsprache an Hochschulen (S. 11–32). Berlin: Frank & Timme.

Heine, A., Schirrmeister, L. & Anderson, M. O. (2019). The Better the Description, the Better the Instruction: Passives and Impersonals in the German Language of (Automotive) Engineering. German as a foreign language (2). http://www.gfl-journal.de/2-2019/heine.pdf

Rummel, M. & Heine, A. (2019). Von lexikalischen Markern zu komplexen Mustern – zum semantischen Profil automobiltechnischer Fachtexte. Fachsprache, 41(3-4), 123–141. https://doi.org/10.24989/fs.v41i3-4.1726

02/2022 Cordula Meißner: „Von gewünschten Eigenschaften und den Techniken, die sie ermöglichen: Der Gebrauch von Partizipialattributen und Relativsätzen in Fachaufsätzen der Automobiltechnik“ auf dem Workshop „Weichgeglüht und luftvergütet – Potenziale eines ingenieurwissenschaftlichen Korpus“ an der Universität Leipzig Dresden, 09.02.2022.

02/2022 Marlene Rummel: „Präpositionen und Konnektoren in Gingko am Beispiel der kausalen Relation“ auf dem Workshop „Weichgeglüht und luftvergütet – Potenziale eines ingenieurwissenschaftlichen Korpus“ an der Universität Leipzig Dresden, 09.02.2022.

02/2022 Lars Schirrmeister: „Unpersönliche Ausdrücke in Gingko“ auf dem Workshop „Weichgeglüht und luftvergütet – Potenziale eines ingenieurwissenschaftlichen Korpus“ an der Universität Leipzig Dresden, 09.02.2022.

02/2022 Lars Schirrmeister & Annette Portmann: „Gingko – Geschriebenes ingenieurwissenschaftliches Korpus“ auf dem Workshop „Weichgeglüht und luftvergütet – Potenziale eines ingenieurwissenschaftlichen Korpus“ an der Universität Leipzig Dresden, 09.02.2022.

01/2019 Lars Schirrmeister & Marlene Rummel: „Das Zusammenspiel von Lexikon und Grammatik am Beispiel ingenieurwissenschaftlicher Texte“ in Greifswald, 15.01.2019.

07/2018 Marlene Rummel: „Konnektoren aus konstruktionsgrammatischer Perspektive“ auf dem Workshop „Identifizierung und Analyse von Frames, Mustern, Schemata und Konstruktionen mittels quantitativer Methoden“ an der TU Dresden, 09.07.2018.

04/2018 Lars Schirrmeister & Marlene Rummel: „Unpersönliche Ausdrücke in automobiltechnischer Fachsprache – eine Korpusstudie“ auf dem Workshop „Verb Classes, Semantic Frames, and Constructions“ am Institut für Deutsche Sprache, 26.-27. April 2018, Mannheim.

03/2018 Lars Schirrmeister: „Nonagentive Konstruktion in automobiltechnischen Fachtexten – eine Korpusstudie“ auf dem „19. Norddeutschen Linguistischen Kolloquium 2018“ an der Universität Greifswald, 22.03.2018.

02/2018 Lars Schirrmeister: „The Better the Description, the Better the Instruction“ auf der Konferenz „Constructionist Approaches to Language Pedagogy 3” (CALP 3) an der University of Texas at Austin, 15.-17.02.2018, Austin, USA.

07/2017 Antje Heine, Lars Schirrmeister & Nina Suppus „Muster in der Sprache der Ingenieurwissenschaften - Konstruktionsgrammatische Analysen auf Basis des Korpus Gingko“ auf dem Workshop „Annotationen und Analysen von konstruktionalen Mehrworteinheiten“ an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, 05.-06.07.2017.

Wissenschaftliche Hilfskräfte

Caren Brendel
Lisa Lenort
Preston Melchert
Anna Ozhogina
Max Polter
Anna Sakhno
Elsa Shaikh-Yousef
Mengxin Wu

Ehemalige Teammitglieder

Ehm. Projektleitung: Junior-Prof. Dr. Antje Heine
Wiss. Mitarbeiter: Tim Feldmüller, M. A.
Wiss. Mitarbeiterin: Dr. Cordula Meißner
Wiss. Mitarbeiterin: Marlene Rummel, M. A.
Wiss. Mitarbeiterin: Nina Suppus, M. A.
Wiss. Hilfskraft: Rebekka Fricke, M. A.
Wiss. Hilfskraft: Bárbara Mendoza Sánchez, Lic.
Stud. Hilfskraft: Sarah Brauer
Stud. Hilfskraft: Anne Hertel
Stud. Hilfskraft: Marcel Knorn

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