Die Universität und die Stadt Leipzig waren schon vor der Entstehung einer wissenschaftlichen Disziplin mit der Bezeichnung ‚Germanistik‘ Orte der Produktion von Wissen über germanistische Inhalte. Nach ersten Anfängen einer Beschäftigung mit sprachlichen und literarischen Themen in Spätmittelalter und Humanismus an der Universität Leipzig, wurde die Stadt im 18. Jahrhundert ein Schwerpunkt der Reflexion deutscher Sprache und Literatur. Zu nennen sind hier vor allem die Leistungen von Johann Christoph Gottsched, Johann Georg Wachter und Johann Christoph Adelung.

Die Begründung einer Germanistik im engeren, fachspezifischen Sinne ist an der Universität Leipzig mit dem Namen Moriz Haupt verbunden, der hier ab 1837 als Privatdozent mit Vorlesungen zur Klassischen Philologie und gleichzeitig zur deutschen Sprache sowie zur Literatur des Mittelalters hervortrat. Damit begann in Leipzig die regelmäßige Lehrtätigkeit auf dem Gebiet der Germanistik. 1843 wurde Haupt zum Ordinarius für deutsche Sprache und Literatur berufen. Bei seinen Forschungen konzentrierte er sich vor allem auf die Edition von Texten. Aufgrund seiner Beteiligung an der Revolution von 1848/49 wurde er des Amtes enthoben.

Die hierdurch entstandene Lücke konnte durch seinen Schüler Friedrich Zarncke gefüllt werden, der 1858 die Nachfolge Haupts als Ordinarius für deutsche Sprache und Literatur antrat. Wie sein Lehrer war Zarncke durch die strenge Methodik der aus der Klassischen Philologie stammenden Textkritik geprägt. Auf Zarncke geht auch die Gründung des „Königlichen Deutschen Seminars“ im Jahr 1873 zurück, mit dem die Phase der Etablierung und Institutionalisierung des Fachs Germanistik an der Universität Leipzig zu einem ersten Abschluss kam. Nachfolger Zarnckes wurde Eduard Sievers, der nach Stationen in Jena, Tübingen und Halle 1892 nach Leipzig kam und dreißig Jahre lang das Ordinariat für deutsche Sprache und Literatur innehatte. Sievers war einer der bedeutendsten Germanisten seiner Zeit und ist als eine der zentralen Persönlichkeiten der junggrammatischen Richtung eine wichtige Figur in der Geschichte der Sprachwissenschaft. Er hatte zudem wesentlichen Anteil daran, dass die Neuere deutsche Literaturgeschichte auf angemessene Weise in das Deutsche Seminar integriert wurde. 1899 wurde die entsprechende Professur mit Albert Köster besetzt, und der neuen Konstellation gemäß wurden zwei Abteilungen errichtet, eine „Ältere Abteilung“ mit Sievers als Direktor und eine „Neuere Abteilung“ mit Köster als Direktor. Trotz einiger Rufe an andere bedeutende Universitäten blieb Köster Leipzig bis zu seinem Tod 1924 treu.

Nach dem Ersten Weltkrieg kamen zu den beiden schon bestehenden Abteilungen zwei weitere dazu: eine nordische, deren Leitung Eugen Mogk übernahm, und eine flämisch-nordniederländische, die mit André Jolles besetzt wurde. Eine der Zeit von Sievers und Köster vergleichbare Kontinuität stellte sich allerdings erst ein, als Theodor Frings 1927 auf den Lehrstuhl von Eduard Sievers berufen wurde, nachdem Hermann August Korff schon 1925 die Nachfolge von Albert Köster angetreten hatte. Korff, ein bedeutender Vertreter der geistesgeschichtlichen Richtung der Literaturwissenschaft, und Frings, ein ebenso bedeutender Vertreter der kulturhistorisch orientierten Sprachwissenschaft, prägten über Jahrzehnte hinweg die Leipziger Germanistik; Korff lehrte bis 1957, Frings bis 1968. Da beide gegenüber dem NS-Regime eine gewisse Distanz zu wahren vermochten, gab es 1945 auch keinen gravierenden personellen und strukturellen Bruch in den beiden Hauptabteilungen, während Jolles aufgrund seiner expliziten Sympathien für den Nationalsozialismus entlassen wurde.

Im Jahr 1956 wurde das Institut zweigeteilt in ein „Institut für deutsche und germanische Philologie“, dem Frings vorstand, und ein „Institut für Deutsche Literaturgeschichte“ unter der Leitung von Hans Mayer, der sowohl in Leipzig, nach seinem politisch motivierten Weggang 1963 dann auch in Hannover und Tübingen zu den wichtigen Literaturhistoriker/innen und  Literaturkritiker/innen seiner Zeit gehörte und mit seinen Konzepten großen Einfluss auf viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller ausübte. Im Zuge der sogenannten 3. Hochschulreform wurden 1969 zwei neue Sektionen gegründet: die Sektion für „Theoretische und angewandte Sprachwissenschaft“ und die Sektion „Kulturwissenschaften und Germanistik“. Die zugehörigen Professuren im Bereich Sprachwissenschaft übernahmen vielfach Schüler von Frings, im Bereich Literaturwissenschaft durchweg Schüler von Mayer, sodass hier die eigentümliche Situation entstand, dass implizit Traditionen eines Lehrers fortgeführt wurden, der wegen seiner „Republikflucht“ in der DDR zur persona non grata geworden war.

Nach dem Fall der Mauer im Herbst 1989 begann innerhalb der Universität ein konfliktreicher Prozess der Umwandlung und Erneuerung, der nicht nur zur Gründung der Philologischen Fakultät und im Zusammenhang damit zur Gründung des Instituts für Germanistik im Jahr 1993 führte, sondern seither auch zu Neubesetzungen aller germanistischen Professuren. Das Institut gliedert sich nun in die Teilbereiche Sprachwissenschaft, Literaturwissenschaft und Fachdidaktik (die Sprechwissenschaft, zunächst ein weiterer eigener Teilbereich, ist inzwischen am Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung angesiedelt).

Für eine ausführliche Darstellung zur Fachgeschichte in Leipzig vgl. Günther Öhlschläger/Ludwig Stockinger: Germanistik. In: Geschichte der Universität Leipzig 1409-2009. Bd. 4/1: Fakultäten, Institute, Zentrale Einrichtungen. Hg. v. Ulrich von Hehl, Uwe John und Manfred Rudersdorf. Leipzig 2009, S. 534-561.

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