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Wozu haben Häuser Namen?

Bei Spaziergängen durch diverse Orte fällt auf, dass einige Häuser einen Namen tragen. Nicht alle und in manchen Regionen mehr als in anderen, aber ein HAUS ZUM (oft goldenen) LÖWEN ist sicher den meisten bereits begegnet.

Eigentum, wie Bäume oder Vieh aber eben auch Häuser, wurde bereits recht früh in der Geschichte gekennzeichnet. Hierzu dienten sogenannte HAUSMARKEN, grafische Zeichen, welche in die Häuser eingekerbt wurden. Ab dem 13. Jahrhundert traten einfache HAUSZEICHEN an deren Stelle, vor allem Abbildungen von Tieren, Gegenständen oder Pflanzen. Diese Zeichen wiederum gaben den Anlass für die Benennung des Hauses, der HÄUSERNAME entstand.

Vor allem im rheinischen Gebiet und in süddeutschen Städten verbreiteten sich die HÄUSERNAMEN. In Freiburg gab es im Jahr 1565 sogar eine Verordnung, nach der jedes Haus einen Namen tragen sollte. Bevor es STRAẞENNAMEN und Hausnummern gab, halfen die HÄUSERNAMEN bei der Orientierung im Ort und der Identifizierung von Personen.

Die Benennungsmotive von Häusern sind vielfältig. Beliebt sind unter anderem Tiere (HAUS ZUM BIBER), Fabelwesen (HAUS ZUM EINHORN), Pflanzen (HAUS ZUR KLEINEN BLUME), Himmelskörper (HAUS ZUR SONNE), Gewerbe (HAUS ZUR ALTEN SCHMIEDE) u.v.m.

Auch wenn HÄUSERNAMEN inzwischen von STRAẞENNAMEN und Hausnummern abgelöst wurden, so sind sie an vielen alten Häusern weiterhin sichtbar. Vor allem auch in GASTHAUS- und APOTHEKENNAMEN findet man heutzutage noch Hinweise auf den Namen eines Gebäudes.

Ebenso sind einige FAMILIENNAMEN aus HÄUSERNAMEN entstanden. Ob ein FAMILIENNAME aus einem HÄUSERNAMEN entstanden ist, kann nicht immer genau zugeordnet werden. Gerade bei tierischen FAMILIENNAMEN gibt es auch weitere Herleitungsmöglichkeiten (FamN aus Rufnamen, FamN aus Übernamen). Bei fantasievollen Familiennamen wie EINHORN, DRACHE, REGENBOGEN oder BLÜMCHEN liegt aber mit hoher Wahrscheinlichkeit ein HÄUSERNAME zu Grunde.

Zusätzlich wird noch zu sogenannten HAUSNAMEN unterschieden. Anders als bei HÄUSERNAMEN ist ein HAUSNAME eine Nebenform (im Vergleich zu Ruf- und Familienname) zur Bezeichnung von Personen. Vor allem in ländlichen Regionen auch heute noch üblich, bekommen alle Familienmitglieder auch HAUSNAMEN, der ihre Zugehörigkeit zu einem Anwesen kennzeichnet. Dieser wird meist dem Rufnamen vorangestellt, wie etwa: SCHAFHOFS LISE.

Auch bei der Bezeichnung von Adelsgeschlechtern besteht oft ein Zusammenhang zum Stammsitz. Die HABSBURGER (aus dem HAUSE HABSBURG) sind nach ihrer Stammburg der HABSBURG benannt.

Mehr Informationen zu Häusernamen und Hausnamen:
Kunze (2004): Namenkunde - Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet, S. 104/105.
Nübling (2015): Namen - Eine Einführung in die Onomastik, S. 251 ff.
 
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