Dieses Teilprojekt untersucht die Rolle der Phonologie und der Semantik bei der Linearisierung von Affixen.

Die Linearisierung von Affixen war ein wesentlicher empirischer Bereich sowohl für die Entwicklung von zyklischen Theorien als auch für die Anwendung von Optimierungsansätzen auf morphologische Daten. Gleichzeitig wirft die Modellierung der Affixlinearisierung auch substantielle Probleme für beide Ansätze auf, insbesondere die Evidenz für flache "Template-“ oder Positionsklassensysteme und die Diskrepanzen zwischen morphologisch-semantischen und phonologischen Eigenschaften von Affixen, die zur Aufgabe des klassischen Modells der Lexikalischen Morphologie geführt haben. Die typologische Motivation für dieses Projekt ist, dass die Forschung zur Affixlinearisierung immer noch große empirische Lücken aufweist. Während exzellente Einzelfalluntersuchungen zu spezifischen Sprachen und Sprachfamilien vorliegen, gibt es bis jetzt keine systematischen typologischen Studien, die grundlegende phonologische und semantische Eigenschaften von Affixen in Korrelation mit ihren Linearisierungseigenschaften setzen.

Theoretisch wirft die Weiterentwicklung der Lexikalischen Phonologie hin zur Stratalen Optimalitätstheorie die zentrale Frage auf, wie sich Affixabfolgeregularitäten integrieren lassen. Diese Herausforderung ist um so relevanter, als in den letzten Jahren zunehmend Evidenz dafür gefunden worden ist, dass phonologische Faktoren zumindest teilweise festlegen, wie Morpheme linearisiert werden. Wir erwarten, dass eine parallele Betrachtung von phonologischen und semantischen Korrelaten nicht nur zu grundlegenden Lösungen für arbiträre Affixabfolgen führen wird, sondern auch die Diagnose der hierarchischen Beziehungen zwischen Präfixen und Suffixen ermöglicht. Das Projekt wird verschiedene typologische Stichproben für Affixabfolgen kompilieren, sowohl für einzelne vollständige Systeme als auch für spezielle Teilsysteme (z.B. pronominale Affixe und kategorieneutrale Derivationsaffixe), und systematisch mögliche Korrelationen zwischen Affixlinearisierung und semantischen (z.B. Spezifizität und Skopus) und phonologischen Eigenschaften (z.B. prosodische Form und phonologische Alternationen von Affixen) untersuchen.

Unsere Arbeitshypothese ist, dass die Affixlinearisierung und ihre phonologisch/semantischen Korrelate in einem theoretisch konservativen und minimalistischen System erfasst werden können, das nur minimale Erweiterungen einer klassischen lexikalistischen Grammatikarchitektur erfordert und insbesondere Stratale Optimalitätstheorie für die Phonologie und Lexikalische Dekompositionsgrammatik für die semantischen Repräsentationen umfasst. In unseren formalen Analysen gehen wir dabei auf vier Typen von Daten ein, die potentiell problematisch für diesen restriktiven Gesamtansatz sind: (1) semantisch willkürliche Affixabfolgen, (2) multiple endozentrische Domänen in der Linearisierung, (3) gradiente Korrelate der Affixlinearisierung und (4) diskontinuierliche phonologische und semantische Abhängigkeiten.

Affixabfolgen (Symbolbild); Foto: Colourbox
Affixabfolgen (Symbolbild); Foto: Colourbox