Das Projekt verfolgt einen strikt derivationellen, zyklischen, optimierungsbasierten Zugang zur Flexionsmorphologie, der neue Perspektiven eröffnet auf Phänomene wie Affixabfolgen, erweiterte Exponenz, disjunktive Blockade, scheinbar nicht-lokale Stammallomorphie und *ABA-Muster, und der darüber hinaus schwerpunktmäßig untersucht werden wird für widerspenstige Konzepte wie Verarmung, Exponentenauslassung, Deponenz, Paradigmenlücken, morphologische Bewegung, diskontinuierliches Bleeding und Lernalgorithmen für Unterspezifikation.

Das Projekt verfolgt einen zyklischen, optimierungsbasierten Zugang zur Flexionsmorphologie, der auf dem Harmonischen Serialismus basiert, einer derivationellen Alternative zur klassischen parallelen Optimalitätstheorie. Der Ansatz ist lexikalisch-realisational. Darüber hinaus sieht er, im Einklang mit den meisten gegenwärtigen Theorien der Flexionsmorphologie, eine separate Ebene der morphologischen Realisisierung in der Grammatik vor. Im Unterschied zu praktisch sämtlichen konkurrierenden Ansätzen gibt es hier allerdings keine speziellen Exponenzregeln wie z.B. Substitutionstransformationen, die auf terminalen Knoten applizieren (`Vokabulareinsetzung'), oder auf ganzen Teilbäumen, oder auf Spans. Vielmehr erfolgt morphologische Exponenz durch Strukturaufbau mit Hilfe von (externer oder interner) Verkettung (`Merge'), wie in der syntaktischen Komponente der Grammatik.

Aufgrund seiner strikt derivationellen Ausrichtung (und dem damit korrelierenden Umstand, dass Entscheidungen in morphologischen Derivationen häufig myopisch sind) kann für einen auf dem Harmonischen Serialismus gegründeten Zugang zur Flexionsmorphologie gezeigt werden, dass er neue Perspektiven auf einige Kernphänomene der Flexionsmorphologie eröffnet, darunter Affixabfolgen, erweiterte Exponenz, disjunktive Blockade, scheinbar nicht-lokale Stammallomorphie und *ABA-Muster. Die vielleicht bemerkenswerteste Eigenschaft des neuen Ansatzes ist allerdings, dass er automatisch die Existenz von Bewegung von morphologischen Exponenten in Wörtern vorhersagt; dies trägt wesentlich bei zu einer Lösung von einigen klassischen Problemen im Bereich von diskontinuierlicher Exponenz, scheinbar nicht-lokalen phonologischen Reflexen, scheinbar nicht-lokalen Stammallomorphien, sowie nicht zuletzt diskontinuierlicher partiell überflüssiger erweiterter Exponenz.

Vor diesem Hintergrund ist es das erste Ziel des Forschungsprojekts, die neue Theorie als eine gangbare Alternative zu gegenwärtigen morphologischen Theorien zu etablieren. Das zweite, noch ambitioniertere Ziel ist dann, zu zeigen, dass einige widerspenstige Probleme für die existierenden Theorien auf diese Weise gelöst werden können, in den Bereichen von Verarmung (`impoverishment'), Exponentenauslassung, Deponenz, Paradigmenlücken, morphologischer Bewegung, diskontinuierlichem Bleeding, sowie Lernalgorithmen für Unterspezifikation.

Es ist ein Ausschnitt eines Heckenlabyrinths zu sehen.
Sequentielle Optimierung; Foto: Colourbox