Dieses Teilprojekt untersucht die sprachlichen Mittel, die in Sprachen eingesetzt werden, um die Passung zwischen satzeinbettenden Prädikaten und ihren Satzkomplementen zu optimieren (z. B. durch semantische Anreicherung des Satzkomplements oder Umdeutung des satzeinbettenden Prädikats).

Die Satzeinbettung ist durch zwei wichtige Eigenschaften gekennzeichnet: (i) die prädikatsspezifische Instantiierung von Einbettungsstrukturen und (ii) die Interaktion des satzeinbettenden Prädikats (SEP) mit Material im Satzkomplement (SK). Eigenschaft (i) betrifft Strukturen wie Anhebung (Maria scheint scharf gewürzte Speisen zu hassen), Kontrolle (Maria versucht [PRO ein scharf gewürztes Gericht zu essen]), NEG-Raising (Maria glaubt nicht, dass sie scharf gewürzte Speisen mag ® `Maria glaubt, dass sie scharf gewürzte Speisen nicht mag’), Restrukturierung (z. B. Klitikanhebung, Fernpassiv, lange Objektbewegung) und Brückenphänomene (What did she say/*simper (that) Fred had done?); es können jeweils nur spezifische Teilklassen von satzeinbettenden Prädikaten mit diesen Strukturen auftreten. Eigenschaft (ii) ist für die Lizensierung von Verbmodus (z. B. der Subjunktiv in romanischen Sprachen), negativen Polaritätselementen, ‘’harmonischen Modalen’’, abhängiger Verbmorphologie (Infinitive, Partizipien, Konverben etc.), logophorischen Markierungen und die expletive Negation im Satzkomplement bestimmten SEPs (z. B. mit der Bedeutung ‚fürchten‘) für bestimmte Sprachen gezeigt worden.

Zusammen genommen weisen diese Eigenschaften auf einen Aspekt hin, der für das Projekt zentral ist: die offenkundige Passungsanforderung zwischen SEP und seinem Satzkomplement (s. auch die Diskussion zur Rolle von s-Selektion vs. c-Selektion). Die sprachlichen Mittel, die die Passung verbessern, werden hier als Optimierungsinstanzen verstanden: (a) die Anreicherung des Satzkomplements (z. B. durch Verbmodus, Modale), die nur bei bestimmten SEPs erforderlich ist, und (b) die Modifikation des SEPs (z. B. Coercion), die von bestimmten Elementen im Satzkomplement ausgelöst wird (z. B. die Reinterpretation von bedauern zu `bedauernd äußern‘ in Kombination mit V2-Komplementen). (a) wird als Top-Down-Effekt analysiert, (b) als Bottom-Up-Effekt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die potentielle Polysemie/Vagheit des SEPs und ihre Bedeutung für die relevanten Einbettungseigenschaften (z. B. die verbmodusabhängige Interpretation von Spanisch sentir: ‘fühlen’ (Indikativ), ‘bedauern’ (Subjunktiv), die lesartenabhängige Zulässigkeit der Klitikanhebung bei Italienisch sapere: `wissen wie’ (ja), `wissen dass’ (nein), die lesartenabhängige Zulässigkeit des NEG-Raising bei erwarten: ‘mit etwas rechnen’ (ja), ‘verlangen’ (nein)). Das Projekt verfolgt das Ziel, mehr über die Optimierungsrichtung bzgl. der Passung von SEP und Satzkomplement durch die Untersuchung von polysemen/vagen SEPs zu erfahren.

Rekursive Einbettung (Symbolbild); Foto: Colourbox
Rekursive Einbettung (Symbolbild); Foto: Colourbox

Geplant sind sprachvergleichende Untersuchungen zu Sprachen, wobei sowohl Sprachen mit kleinen SEP-Inventaren als auch solchen mit großen SEP-Inventaren betrachtet werden sollen. Im Einzelnen sollen folgende Ziele verfolgt werden:

  • Identifikation von Satzeinbettungsstrukturen, die sensitiv für SEP-Lesarten sind
  • Bestimmung der Rolle der SEP-Polysemie für ausgewählte Satzkomplementstrukturen
  • Bestimmung von Top-Down-Effekten in der Passung von SEP und SK (primär erwartet für restringierte/markierte SK-Typen)
  • Bestimmung von Bottom-Up-Effekten (Spezifikation von vagen SEPs durch Material im SK, Bedeutungswechsel von SEPs mit bestimmten SK-Typen)
  • Untersuchung der Frage, ob die rekursive Einbettung von SEPs (bzgl. Kontrolle, Anhebung, NEG-Raising und Brückenphänomenen) die erwarteten zyklischen/nicht-zyklischen Effekte zeigt
  • theoretische Modellierung der Optimierungsphänomene