Workshop zur Vorbereitung eines Kompendiums
Wissenschaftsnarrationen der Gegenwart
Die Tagung untersucht, wie in literarischen Texten seit der Postmoderne Wissenschaftler:innen, historische wissenschaftliche Erkenntnisprozesse oder ein Wettstreit wissenschaftlicher Methoden dargestellt werden.
Mit einer Abendveranstaltung mit Dietmar Dath im Literaturhaus.
In zahlreichen literarischen Texten seit der Postmoderne werden Wissenschaftler:innen, historische wissenschaftliche Erkenntnisprozesse oder ein Wettstreit wissenschaftlicher Methoden dargestellt. Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt sind Protagonisten von Daniel Kehlmanns Vermessung der Welt, Werner Heisenberg spielt eine zentrale Rolle für historische Romane von Jérôme Ferrari oder Jorge Volpi, Marie Curie steht im Mittelpunkt eines populären Romans von Susanna Leonard. Texte von Dietmar Dath, Ulrike Draesner oder Christoph Ransmayr fiktionalisieren Elemente der Evolutionstheorie, der Genforschung oder der Geographie. Juli Zeh präsentiert in Schilf einen Wettstreit zwischen physikalischen Theorien, David Lodge oder Laurent Binet lassen in Romanen unterschiedliche Literaturtheorien aufeinandertreffen.
In der literaturwissenschaftlichen Analyse der einschlägigen Werke dominieren bislang häufig andere Aspekte als die Darstellung der Wissenschaft. Oft werden z.B. die Pluralität der Texte, ihre Multiperspektivität, ihre Verschränkung von Vergangenheit und Gegenwart oder ihre Verbindung von anspruchsvollen und unterhaltenden Elementen fokussiert. Insbesondere aber der Kontrast von ‚weicher‘ Fiktion und ‚harter‘ Wissenschaft macht – so unsere These – den Reiz von Wissenschaftsnarrationen aus, und daher möchten wir ihn im Rahmen dieses Workshops sowie in einem darauf ausbauenden Kompendium erstmals umfassend untersuchen.