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Nun geht es doch weiter… Nach einigen Frequenzangaben zu den (Familien-)Namen der spanischen Spielerinnen folgt nun eine (grobe) namenkundliche Interpretation. Noch einmal ist zu betonen: die zweiteiligen Namen (Vorname + Familienname) sind eine Konzession an internationale Gepflogenheiten und den alltäglichen Namengebrauch. Der volle Familiennname ist der Namenliste in Klammern beigefügt, Das spanische Namensystem (FN) lässt sich vereinfacht auf die folgende Formel bringen:

 

                                     A+B Namen des Vaters             C+D Namen der Mutter

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A+C Name des Kindes

 

oder mit einem konkreten Beispiel:

 

Antonio Garcia Romero + Pilar Torres Rodríguez

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Fernando García Torres

 

Im Folgenden beschränke ich mich auf die in dieser Liste aufgeführten Namen, den zweiten Familiennamen (Familienname der Mutter) berücksichtige ich nicht.:


 

Abelleira (Teresa José Abelleira Dueñas)

Aleixandri (Laia Aleixandri López)

Batlle (Ona Batlle Pascual)

Bonmatí (Aitana Bonmatí Conca)

Caldentey (María Francesca „Mariona“ Caldentey Oliver)

Carmona (Olga Carmona García)

del Castillo (Athenea del Castillo Beivide)

Codina (Laia Codina Panedas)

Coll (Catalina Tomás „Cata“ Coll Lluch)

García (Lucía García Córdoba)

Hermoso (Jennifer „Jenni“ Hermoso Fuentes)

López (Vicky López Serrano Félix)

Martín-Prieto (Cristina Martín-Prieto Gutiérrez)

Méndez (María Méndez Fernández)

Nanclares (Adriana Nanclares Romero)

Oroz (Maite Oroz Areta)

Ouahabi (Leila Ouahabi El Ouahabi)

Paralluelo (Salma Celeste Paralluelo Ayingono)

Paredes (Irene Paredes Hernández)

Pina (Cláudia Pina Medina)

Putellas (Alexia Putellas Segura)

Redondo (Alba María Redondo Ferrer)

Sullastres (Esther Sollastres Ayuso)

Tomé (Montserrat „Montse“ Tomé Vázquez)

Zubieta (Maite Zubieta Aranbarri)

 

Entstehung und Struktur der spanischen (und, bis auf die Stellung des Hauptnamens, vergleichbaren portugiesischen) Familiennamen (= FN) entsprechen durchgehend dem allgemeinen europäischen Muster, doch können die Frequenzen der jeweiligen Kategorien durchaus variieren, auch innerhalb der historischen Regionen Spaniens. Hauptkategorien sind Patronyme („Kind von“), Herkunftsnamen (konkrete Ortsnennung), Wohnstättennamen, Übernamen und Berufs- bzw. Tätigkeitsbezeichnungen. Die Rangfolge/Frequenz dieser Bildungsweisen ist sehr eindeutig: Unter den 22 häufigsten FN belegen Patronyme die ersten 14 Plätze (García, González, Rodríguez, Fernandez, López usw.), auf Rang 15 folgen Moreno (Übername), auf 18 Romero ("(Rom-)Pilger"), auf 21 Navarro (Ethnikon), auf 22 Torres (überwiegend Wohnstättenname) usw. Erst auf Rang 48 erscheint isoliert ein „Tätigkeitsname“ (Guerrero "Krieger"), der "Schmied" folgt erst auf Rang 72 (Herrero, Ferrer, Ferreiro), der "Müller" (Molinero) gar nicht unter den 100 häufigsten FN des spanischen Gesamtraums. 

Charakteristisch für die große Mehrzahl der Patronyme ist das (stets unbetonte!) patronymische Suffix -ez; einige jüngere, oft internationale Namen zeigen diese Bildungsweise nicht immer (Martínez/Martín, Domínguez/Domingo, Gil u.ä.). Konkrete Herkunftsbezeichnungen werden oft mit de "aus, von" eingeführt. Wohnstättennamen sind in der Regel vage (Torres, Molina, Morales, Ortega, Castro, Iglesias). Bei den Übernamen scheinen vielleicht Farbbezeichnungen (Moreno, Blanco, Rubio, Cano, Prieto) zu überwiegen. Usw.

Bei der Interpretation „spanischer“ FN (die Neue Welt, insbesondere Mittel- und Südamerika sind ein Spiegelbild) ist unbedingt auf die sprachliche Struktur des Staates Spanien zu achten. Die Staatssprache Kastilisch (Spanisch) hat sich über die historisch gewachsenen, oft sehr deutlich unterschiedlichen Regionalsprachen geschoben. Da die FN in historischer Zeit, lange vor dem politischen „Zusammenwachsen“ des heutigen spanischen Staates entstanden sind, ist die sprachliche Zuordnung/Interpretation mit großer Sorgfalt durchzuführen. Bis auf das Baskische handelt es sich zwar um „romanische“ Sprachen, sie unterscheiden sich allerdings sehr deutlich voneinander. Im heutigen Spanien haben neben dem Kastilischen (castellano, kastilisch/Spanisch) die Landessprachen Galicisch (galego), Baskisch (euzkera) und Katalanisch (català) kooffiziellen Status. Das betrifft insbesondere auch den Gebrauch/Schreibweise der Namen (Vor- und Familiennamen, Ortsnamen). Gleichzeitig gibt es Bestrebungen, weitere Regionalsprachen diesem Status näherzubringen, dies gilt insbesondere für Aragón und Asturien, aber auch weitere Regionen. Bei einer Interpretation „spanischer“ FN ist daher Vorsicht geboten.

In unserer Namengruppe sind alle Namenkategorien vertreten

Abelleira. Typisch galicischer Name, Teresa José ist in Pontevedra geboren. Zu einem der zahlreichen kleineren Orte Abelleira (mit Varianten), dem im Portugiesischen Abelheira entspricht. Benennung nach abelleira "Bienennest" (zu abella "Biene").

Aleixandrí. Charakteristischer katalanischer, vor allem in Tarragona beheimateter Name, dem span. Alejandrino entspricht. Formal eine ethnische Bildung „aus Alexandria“, hier vielleicht eher Deminutivform zum PN Ale(i)xandre (Alexander) in patronymischer Funktion.

Batlle. Katalanischer FN. Alte Standesbezeichung zu kat. batlle (lat. baiulus), etwa "Amtmann", in verschiedenen konkreten Bedeutungen wie Bürgermeister, Landvogt, Burgvogt, immer mit Richterfunktion.

Bonmatí. Katalanischer FN. Alter, augurativer, Personennamen, er entspricht dem dt. FN Gutenmorgen. Der Name gliedert sich ein in eine Reihe ähnlicher Bildungen, insbesondere im Italienischen (Bon-/Buon-) wie Bonjorn, Bondia, Bonanno (dt. Gutjahr), Bontempo u.ä. 

Caldentey. Charakteristischer kat. FN der Balearen. Er entspricht dem Hausnamen Caldentey, aufzulösen als casal d’En Tey "Hof des [Herrn] Tey". En, weiblich na, entspricht dem span. don (doña) und ist eine reduzierte Anredeform mit lat. dominus.

Carmona. Kastilischer FN. Herkunftsname, aus der andalusischen Stadt Carmona (bei Sevilla). Der Name ist vorrömisch, die genaue Bedeutung unsicher.

del Castillo. Kastilischer FN. Wörtlich "von der Burg (castillo)". Entweder Bezug auf einen der sehr zahlreichen konkreten Orte Castillo (eine Identifizierung ist kaum möglich) oder Wohnstättenname.

Codina. Katalanischer FN, zu interpretieren als Wohnstättenname zu codina, etwa "steiniger Boden (Feld)".

Coll. Katalanischer FN insbesondere der Balearen. Wohnstättenname zu kat. coll "Hügel", auf Mallorca auch "Talsenke".

García. Der mit Abstand häufigste spanische FN (über 5% der spanischen Bevölkerung trägt diesen Namen, auch in Portugal ist der Name häufig). Das Patronym entspricht dem im Mittelalter sehr verbreiteten PN García, dessen Etymologie vielleicht nicht definitiv geklärt ist. Der Name ist jedenfalls vorrömisch, vielleicht iberisch, er wird mit baskisch (h)artz "Bär" in Verbindung gebracht, das auf eine vorbaskische Form kartze-a "der Bär" zurückgeführt wird.

Hermoso. Sicherlich alter Übername mit spanisch hermoso "schön" (lat. formosus).

López. Eines der häufigsten spanischen Patronyme (port. Lopes), zum PN Lope (port. Lopo), der auf lat. lupus "Wolf" zurückführt. Interessant ist die unterschiedliche Entwicklung Wort/Name. Während der Tiername lupus "lautgesetzlich" in span. und port. lobo weiterlebt, hat der PN im maurischen Kontext die Konsonantenerweichung nicht mitgemacht (vgl. auch Guadalupe "Wasser des Lupus").

Martín-Prieto. In diesem Fall sind die beiden FN mittels Bindestrich zusammengeführt worden. Der „europäische“ Heiligenname Martín (Ableitung vom Götternamen Mars) geht auf den Hl. Martinus von Tours (4. Jh.) zurück und gehört allgemein in seinen verschiedenen Varianten (Martínez, Martiño u.a.) zu den beliebtesten europäischen Namen überhaupt. Span. prieto bezeichnete im Mittelalter die Haarfarbe "schwarz" (vgl. port. preto) und entspricht weitgehend moreno oder negro.

Méndez. Emblematischer Name des NW der Iberischen Halbinsel (port. Mendes), dem im Spanischen Menéndez entspricht (diese Form ist für das Asturisch-Leonesische charakteristisch). Die phonetische Geschichte des Namens ist kompliziert. Er führt offernbar zurück auf westgotisch Hermenegild (gest. 585), Sohn von König Leovigild, verantwortlich für die Konversion der Westgoten vom Arianismus zum Katholizismus. An diesem FN lässt sich gut die Verbreitung galicischer „Emigranten“ im Mittelalter (Extremadura, Sevilla, Tenerife usw.) und die heutige Binnenwanderung (Barcelona usw.) erkennen.

Nanclares. Herkunftsname, aus Nanclares de la Oca (Vitoria-Gasteiz) oder Nanclares de Gamboa (Álava). Spontan ohne Erklärung; aus der Karte ist die Streuung („Landflucht“, Binnenwanderung) gut zu erkennen. (s. Abbildung oben)

Oroz. Herkunftsname, aus dem baskischen Ort Oroz (Gipuzkoa). Gebildet mit einem Namenelement oro- dunkler Bedeutung.

Ouahabi. Einziger nichtspanischer FN. Leila wurde in Mataró (Barcelona) geboren. Von diesem Namen gibt es sehr zahlreihe Schreibvarianten, er ist offenbar marokkanischen Ursprungs.

Paralluelo. Ohne weitere Nachforschungen nicht zu ermitteln. Es handelt sich möglicherweise um einen aragonesischen Flurnamen. Der FN ist heute nur für 18 Personen belegt (8+13), alle in der Provinz Zaragoza. Hier wurde unsere Spielerin geboren, deren Mutter Diosdada Ayingono im Übrigen aus der ehemaligen spanischen Kolonie Äquatorialguinea (aus der größten Volksgruppe der Fang) stammt und deren Namen im vollen FN enthalten ist.

Paredes. Herkunftsname, vermutlich zu einem der zahlreichen gleichnamigen Orte. Plural von pared "Wand, Mauer", für einen befestigten Ort.

Pina. Herkunftsname zu einem der drei Orte Pina, insbesondere aragonesisch Pina de Ebro (Zaragoza) und Pina de Montalgrao (Castelló). Etymologisch entspricht pina dem kastischen peña (lat. pinna) "Fels, Klippe".

Putellas. Diese kastilianisierte Form von katalanisch Putelles (Plural von putellas) wird in den einschlägigen Nachschlagewerken mit puta "Hure" in Verbindung gebracht, ist aber undurchsichtig.

Redondo. Dieser Name ist identisch mit spanisch redondo "rund". Es kann sich um einen Übernamen handeln, doch gibt es auch zahlreiche entsprechende Orts- und Geländenamen.

Sullastres. Mit den Varianten Sullastre und Sollastres zählt dieser FN zu den katalanischen Wohnstättennamen. Zugrunde liegt s’ullastre "(der) wilde Ölbaum".

Tomé. In ganz Spanien, aber insbesondere im NW und vor allem Portugal verbreiteter patronymischer FN. Der Name entspricht dem Apostelnamen Tomás, doch ist die phonetische Entwicklung im Westen der Iberischen Halbinsel unklar.

Zubieta. Baskischer FN zum ON Zubieta, Ableitung von bask. zubi "Brücke".

In Zusammenfassung finden sich in unseren Spielerinnennamen die folgenden Allgemeinkategorien. Die Zuordnung ist nicht in allen Fällen sicher, doch vermitteln sie zumindest einen ersten Eindruck:

Personennamen/Patronyme: Aleixandrí, Bonmatí, García, López, Martin, Méndez, Tomé

Herkunftsnamen: Abelleira, Carmona, Nanclares, Oroz, Paredes, Pina, Zubieta

Wohnstättennamen: Caldentey, del Castillo, Codina, Coll, Paralluelo, Sullastres

Übernamen: Hermoso, Prieto, *Putellas, *Redondo

Tätigkeitsbezeichnungen: Batlle

Fremde Namen: Ouahabi

Diese provisorische Sichtung der FN der spanischen Nationalspielerinnen ist kein „Namenbuch“ sondern der Versuch, die Besonderheiten des „spanischen“ Familiennamensystems zu verdeutlichen und dem deutschen Publikum zumindest ein Grundverständnis der spanischen Familiennamen zu vermitteln. Auf Besonderheiten der Aussprache des Spanischen (Phonetik, Betonung im Regelfall auf der vorletzten Silbe) wurde nicht weiter eingegangen.