Vorwort
Unser erstes Türchen ist eröffnet und dahinter steckt eine Vornamenkundliche Expertise. Was ist eine Vornamenkundliche Expertise? - Kurz: Ein Gutachten zu einem Rufnamen. Zu Beginn des Wintersemesters haben unsere Studies gelernt, wie man eine derartige Expertise erstellen kann. Ihr erlerntes Wissen haben sie an ihrem eigenen Namen angewendet.
Unsere Studentin Clara möchte ihre Expertise und somit auch ihr gewonnenes Wissen über ihren Namen mit der Welt teilen.
Wir wünschen viel Freude beim Lesen!
Eine Vornamenkundliche Expertise zum Rufnamen Clara1
Der eigene (Ruf-)Name trägt in vielerlei Hinsicht maßgeblich zur eigenen Identität bei. Das wurde mir besonders bewusst, als ich durch einen Auslandsaufenthalt in Portugal meinen eigentlichen Rufnamen Henriette gegen meinen ersten Vornamen Clara austauschte, um den Portugiesen die Aussprache meines Namens zu erleichtern. Es dauerte eine Weile, bis ich mich überhaupt angesprochen fühlte.
Im Rahmen der folgenden Vornamenkundlichen Expertise möchte ich nun näher auf die Bedeutung, Herkunft, Häufigkeit des Namens und vieles mehr eingehen, um selbst mit diesem noch verbundener zu werden, ihn besser kennenzulernen.
Besonders interessant finde ich die Herleitung des Namens. Der weibliche Vorname Clara bzw. Klara stammt aus dem Lateinischen. Er wird vom lateinischen Wort clarus abgeleitet, was so viel wie glänzend, hervorragend und berühmt bedeutet. Clara kann demzufolge als „die Glänzende“ oder auch “die Strahlende” interpretiert werden. Im Mittelalter fand der Name – insbesondere in der Variante „Klara“ – als Heiligenname Verbreitung. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistete die heilige Klara von Assisi durch die Gründung des Klarissenordens im Jahr 1212. Der Name ist auch in vielen anderen Ländern gebräuchlich und verzeichnet viele Varianten: die italienische Variante des Namens ist Chiara, die französische Variante Claire bzw. Claretta und weitere wie z. B. Clärenore, Clarissa und Clarisse.
Dass der Name in Europa so bekannt ist, kann demnach unter anderem auf die heilige Klara von Assisi zurückgeführt werden. Der Rufname erlebte im frühen 20. Jahrhundert erneut Aufschwung, dies kann aus die Hitlisten, in denen der Name bereits zu dieser Zeit hoch im Kurs ist, entnommen werden. Danach folgte eine langjährige Periode (zw. 1930 und 1985), in der der Name kaum vergeben wurde. Zur Jahrtausendwende erlebt der Name aber ein Comeback und zählt seit einigen Jahren sogar zu den beliebtesten Mädchennamen in Deutschland. Wirft man einen Blick auf die aktuellen Statistiken, so geht aus Ihnen hervor, dass der Rufname Clara seit 2010 mindestens 33.200 Mal als erster Vorname vergeben wurde; in der Variante Klara mindestens 20.100 Mal. 2024 schlitterte der Name knapp an den Top 10 vorbei und landete auf Platz 12 der Vornamenhitliste. In meinem Geburtsjahr 2004 hingegen erreichte Clara „nur" Platz 34. Interessant ist, dass sich zwei von drei Eltern bei der Namensgebung für die Schreibvariante mit „C“ und nur etwas mehr als ein Drittel für Klara mit K entscheiden. Es ist davon auszugehen, dass Personen, die den Namen Clara in der Schreibweise mit “C” tragen, im Durchschnitt 11 Jahre alt sind; in der Schreibweise mit “K” sind Namenträgerinnen durchschnittlich wohl bereits 25 Jahre.
Der Name Clara ist in ganz Deutschland verbreitet, besonders häufig tritt er aber im Saarland, Sachsen und Hamburg auf.2 In der Stadt Langenhagen (bei Hannover, Niedersachsen) soll es den prozentual den größten Anteil von Personen geben, die den Vornamen Clara tragen; in der Schreibweise Klara ist es die Stadt Grafenwöhr (Bayern).
Des Weiteren habe ich mich natürlich gefragt, ob es bei meiner Namengebung eine bestimmte Motivation gab. Durch die Befragung meiner Eltern konnte ich ermitteln, dass der Namengebung keine bestimmte Motivation zu Grunde liegt. Vielmehr ging es meinen Eltern bei meiner Benennung darum, dass man beide Vornamen als wohlklingend empfindet. Freunde meiner Großeltern hatten eine Tochter, die Clara hieß, so kam der Name in den Namenschatz meiner Eltern und hatte dort seinen festen Platz gefunden. Sie waren überzeugt, dass man mit zwei Vornamen besser beraten ist und hatten somit das Glück, dass sie sich nicht zwischen beiden Vornamen entscheiden mussten. Daher gaben sie mir den Namen Clara Henriette.
Da ich gerade vom Wohlklang meines Namens sprach: Um herauszufinden, wie unsere Gesellschaft einen Rufnamen empfindet, können sogenannte Onogramme herangezogen werden. Mithilfe eines Onogramms (onomastisches Assoziationsdiagramm) können Assoziationen der Gesellschaft von Vornamen erfasst und dargestellt werden. Das Onogramm zu Clara weist auf folgende Assoziationen hin: Der Name Clara wird als sehr wohlklingend, vertraut und weiblich empfunden. Sie werden mit einem sehr jungen, sympathischen und zurückhaltenden Wesen assoziiert und gelten darüber hinaus als attraktiv und intelligent.3
1 Für die Erstellung dieser Expertise wurden die nachfolgenden Quellen verwendet: https://blog.beliebte-vornamen.de/name/klara/ ;
https://blog.beliebte-vornamen.de/name/clara/ ; https://www.katholische-kirche-hanau-grosskrotzenburg.de/stklarafranziskushanau/01_Pfarrei/02_Klara.php
2 Eine schöne Darstellung dafür findet ihr unter dem folgenden Link: https://www.beliebte-vornamen.de/4543-klara.htm
3 Das Onogramm könnt ihr euch unter nachfolgendem Link ansehen: https://www.onomastik.com/Vornamen-Lexikon/name_988_Clara.html