Nachricht vom

Lernen Sie unsere internationalen Gastwissenschaftler*innen kennen, die sich derzeit zu Forschungszwecken an unserem Institut aufhalten.

Adriana Rodríguez Alfonso hält sich bis Mitte Februar 2022 im Rahmen eines DAAD-Stipendium zur Vorbereitung ihrer Promotion, die sie am Institut für Spanische und Hispanoamerikanische Literatur der Universität Salamanca anfertigt, an unserem Institut auf. Ihre Dissertation mit dem Titel „Redes intelectuales y campo literario: el grupo Shanghai (1988-2018)" ist an der transdisziplinären Schnittstelle zwischen gesellschaftlicher Vernetzung, kollektiver Fiktionalität und den Verschiebungen im Bereich der nationalen und internationalen Kunst am Ende des 20. Jahrhunderts in Argentinien angesiedelt. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen die Literatursoziologie, die Ästhetik, die World Literature und die Geistesgeschichte.

Von Anfang Dezember 2021 bis Ende Januar 2022 hält sich an unserem Institut der Gastwissenschaftler Prof. Carlos A. Gadea von der Escola de Humanidades da Universidade Unisinos/Brasilien auf – vielleicht kann sich der/die eine oder andere an ihn und seinen ersten Aufenthalt vor 6 Jahren (Nov.2015 – Jan.2016) erinnern. Seine Forschungen und Publikationen beziehen sich auf Sozialtheorien, Kulturstudien und die Politik und Kultur in Lateinamerika. Seine Hauptinteressen konzentrieren sich dabei auf die Theorien des Pragmatismus und auf Interaktionen in der Soziologie sowie auf Theorien der Postmoderne. In letzter Zeit forscht er zu den Beziehungen zwischen den Kulturstudien und einem kulturellem Populismus unter besonderer Beachtung der politischen Erfahrungen der sogenannten „Fortschrittsbewegungen“ im lateinamerikanischen Kontext. Mit seinem Aufenthalt an unserem Institut möchte er insbesondere für das letztgenannte Interessengebiet ein neues Kapitel in seiner Forschung entwickeln.

Ebenfalls bis Mitte Februar forscht an unserem Institut Nieves Ruiz im Rahmen eines DAAD-Stipendiums zur Vorbereitung ihrer Dissertation an der Universität Granada. Sie beschäftigt sich dabei mit dem erzählerischen Werk der Schriftstellerin Concha Alós aus València, um die Bedeutung ihrer Literatur unter dem Gesichtspunkt einer neuen humanistischen Dimension herauszuarbeiten. Dabei soll die menschliche Existenz im Allgemeinen untersucht und die ethisch-moralischen Werte, die die spanische Gesellschaft des 20. Jahrhundert unter dem Einfluss der Guerra Civil und der nationalkatholischen Repression der Franko-Diktatur prägten, neu überdacht werden. Die vorherrschenden gesellschaftlichen Konventionen verlieren mit dem Werk von Alós an Bedeutung und schaffen auf diese Weise Raum für Kritisches Denken.
Ziel der Dissertation ist die Analyse der unscharfen Realität, die uns Alós in ihren Romanen präsentiert, um somit aufzuzeigen, wie und warum kulturelle Sedimente einer Gesellschaft, die historisch geprägt ist vom Nationalkatholizismus, einer Politik der Öffnung und von demokratischen Veränderungen, die durch eine zunehmend konsumorientierte und kapitalistische Gesellschaft hervorgerufen werden, dekonstruiert werden. Alós fügt sich ein in einen kulturellen Kontext der Erneuerung durch die spanischen Schriftstellerinnen der Mitte des 20. Jh., weshalb der Name Alós‘ aus der akademischen Geringschätzung geholt und ihre Stellung im zeitgenössischen Kanon der spanischen Literatur wiederhergestellt werden soll.