Vorlesung/Vortrag am

Veranstaltungsort: Campus Augustusplatz, Hörsaalgebäude, Hörsaal 11

Im Rahmen der Vortragsreihe „Sprachwissenschaftliche Vorträge am Institut für Germanistik in Leipzig“ (SPIGL) werden Projekte und aktuelle Forschungsfragen von Sprachwissenschaftler:innen aus dem Institut für Germanistik und von Gästen vorgestellt.

Vortrag

Sebastian Kürschner (Katholische Universität Eichstätt)
Dialektale Flexionsmorphologie – Die Deklination von Substantiven und ihr Wandel in Varietäten des Deutschen

Betrachtet man die Flexion von Substantiven in der heutigen deutschen Standardsprache und vergleicht sie mit historischen Sprachstufen, zeichnen sich klare Tendenzen ab: Während die Kasusinformation immer weniger transparent kodiert wird (Kasusnivellierung), wird die Numerusinformation an den meisten Substantiven deutlich markiert (Numerusprofilierung). Die Allomorphie und damit die Zahl an substantivischen Deklinationsklassen wird reduziert und bleibt teilweise mit der Genusinformation verzahnt, wird aber auch mit semantischen oder prosodischen Kriterien verknüpft.

Ein Blick in dialektale Varietäten zeigt schnell, dass diese klaren Tendenzen nicht immer gespiegelt werden. So finden sich etwa Dialekte, die neben Tendenzen der Numerusprofilierung auch Klassen auf- und ausbauen, die keine Numerusmarkierung am Substantiv zeigen (etwa in ostfränkisch Agsn ‚Achse‘, das im Singular wie im Plural verwendet wird). Auch die Interaktion mit Genus, Semantik und Prosodie variiert stark und zeigt alternative Entwicklungspfade auf.

Im Vortrag wird auf einige Entwicklungspfade der dialektalen Flexionsmorphologie mit Schwerpunkt bei oberdeutschen Varietäten eingegangen. Die beobachteten Entwicklungen werden auf Vorhersagen zentraler morphologischer Theorien wie Bybees Relevanzprinzip, die Natürlichkeitsmorphologie oder Schemaansätze bezogen, für die dialektale Daten häufig eine stärkere Herausforderung darstellen als die Entwicklung hin zur Standardsprache.

Die Veranstalter:innen, Prof. Dr. Barbara Schlücker, Prof. Dr. Sebastian Seyferth und Prof. Dr. Beat Siebenhaar, sowie die Koordinator:innen Dr. Diana Walther und Maximilian Frankowsky laden alle Interessierten herzlich ein.