Dolmetscherinnen und Dolmetscher übertragen gesprochene Texte mündlich in andere Sprachen. Im Masterstudiengang Konferenzdolmetschen erlernen Sie die Techniken für das Dolmetschen von Reden und Verhandlungen in unterschiedlichsten Fachgebieten.

Der Masterstudiengang Konferenzdolmetschen ist ein anwendungsorientierter konsekutiver Studiengang. Ihre allgemeine Qualifikation für das Studium weisen Sie durch einen berufsqualifizierenden Hochschulabschluss nach. Ein translatorischer Hochschulabschluss ist von Vorteil, aber nicht Voraussetzung. Sollten Sie die notwendigen Sprachkenntnisse ohne einen translatorischen Bachelor nachweisen können, besteht auch über einen Quereinstieg die Möglichkeit zur Bewerbung.

Fachspezifische Zugangsvoraussetzungen sind:

  • Bestehen der Eignungsfeststellungsprüfung für den Masterstudiengang Konferenzdolmetschen,
  • Nachweis von Sprachkenntnissen für die gewählte erste B-Sprache (Sprachschwerpunkt) und die zweite B- Sprache bzw. C-Sprache (Wahlbereich Dolmetschen) entsprechend dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen Stufe C 1 oder einem äquivalenten Nachweis für Englisch, Französisch oder Spanisch. Der Nachweis der Sprachkenntnisse für die gewählte erste B-Sprache (Sprachschwerpunkt) ist mit der Anmeldung zur Eignungsfeststellungsprüfung zu erbringen. Der Nachweis für die Sprache im Wahlbereich Dolmetschen (zweite B-Sprache  bzw. C-Sprache) ist bei Studienbeginn vorzulegen. Die Basissprache (sog. A-Sprache) ist in der jeweiligen Sprachkombination immer Deutsch.
  • Nachweis der stimmlichen Eignung durch ein phoniatrisches Gutachten. Das Gutachten ist spätestens mit der Annahme des Studienplatzes beim Studentensekretariat der Universität Leipzig einzureichen.

Für das Studium müssen Sie Sprachkenntnisse entsprechend Niveau C1 Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für die Sprachen nachweisen, die Sie im Masterstudiengang Konferenzdolmetschen studieren möchten. Den Sprachnachweis für Schwerpunktsprache reichen Sie mit der Anmeldung zur Eignungsprüfung ein (Zulassungsvoraussetzung), den Sprachnachweis für die zweite B- oder C-Sprache legen Sie zu Studienbeginn vor.

Für den Sprachnachweis gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:

  • mindestens zweijähriger Schulbesuch oder mindestens zweijähriges Studium in einem Land, in dem die betreffende Sprache gesprochen wird;
  • translatorischer oder philologischer BA-Abschluss, z. B. Anglistik, Amerikanistik, Romanische Studien mit Schwerpunkt Französistik oder Hispanistik;
  • Schulunterricht von Klasse 7 bis 12/13 mit Leistungskurs in der Abiturstufe.
  • Absolvierung einer der nachfolgend aufgeführten anerkannten Sprachprüfungen:
    • Englisch: Cambridge Certificate in Advanced English (CAE); Test of English for International Communication (TOEIC) mit allen vier Teilkompetenzen und den Mindestpunktzahlen Reading 455, Listening 490, Writing 200, Speaking 200; Cambridge BEC Higher; TOEFL iBT mit einem Ergebnis von 95 Punkten; IELTS mit mindestens 7,0 Punkten; UNICERT III
    • Französisch: DALF C1, Test de Français International (TFI) mit einem Ergebnis über 785 Punkte; UNICERT III
    • Spanisch: DELE (Nivel Superior), Diploma Superior de Español (D.S.E.), UNICERT III

     

Arbeitsfremdsprachen

Im Studiengang können Sie zwei Arbeitsfremdsprachen studieren. Für den Kernbereich/Sprachschwerpunkt wählen Sie eine B-Sprache – Englisch, Französisch oder Spanisch –, die Sie durch eine weitere B-Sprache oder eine C-Sprache ergänzen.

Die B-Sprache, oftmals die „stärkere“ Sprache, ist die Sprache, aus der und in die gedolmetscht wird, die also als Ausgangs- und Zielsprache fungiert. Die C-Sprache zeichnet sich dadurch aus, dass aus ihr nur in die A-Sprache (Deutsch) gedolmetscht wird. Während des Studiums trainieren Sie in der B- und C-Sprache das Dolmetschen in beide Richtungen, die Prüfung legen Sie für die B-Sprache oder die C-Sprache ab.

Auf Antrag an den Prüfungsausschuss des Instituts für Angewandte Linguistik und Translation (IALT) können Sie im Wahlbereich Module im Umfang von 30 Leistungspunkten zum Auf- oder Ausbau von Sprachkompetenz in einer weiteren Arbeitsfremdsprache, die nicht mit Dolmetschprofil angeboten wird, belegen. Dazu zählen neben den am IALT angebotenen Sprachen Katalanisch, Galicisch und Baskisch auch weitere Sprachen aus dem modularisierten Angebot des Sprachenzentrums der Universität Leipzig.

Dolmetschtechniken

Durch den gezielten Ausbau der für das Dolmetschen benötigten Kompetenzen bereitet der Masterstudiengang Sie auf eine professionelle Tätigkeit als Dolmetscherin und Dolmetscher vor. Sie trainieren verschiedene Formen wie das Simultan-, Konsekutiv-, Verhandlungs- und Flüsterdolmetschen sowie das Dolmetschen vom Blatt. Außerdem erhalten Sie im dritten Fachsemester eine Einführung in das juristische Dolmetschen. Zur Ausbildung zählen darüber hinaus Aufgaben wie das Übersetzen von Konferenztexten und die Vorbereitung von Dolmetscheinsätzen mithilfe moderner Recherchetechniken und elektronischer Arbeitsmittel.

Ziel des Studiums ist es, auf den Gebieten Dolmetschwissenschaft, Fachdolmetschen, Rhetorik, Dolmetschtechnologie, Fachkommunikation und Terminologie das erforderliche Methodenwissen und verschiedene dolmetschspezifische Fertigkeiten zu erwerben. Diese versetzen Sie in die Lage, fachsprachliche Texte in der Ausgangssprache schnell und richtig zu verstehen und sie unter Wahrung des Inhalts und ihrer stilistischen Eigenschaften in sprachlich und rhetorisch angemessener Weise in die Zielsprache zu dolmetschen. Diese Kompetenzen sind auch in der DIN 2347 zum Konferenzdolmetschen dokumentiert.

Die technische Ausstattung am IALT ermöglicht es Ihnen, in einer authentischen Umgebung verschiedene Dolmetschsettings kennenzulernen und zu trainieren. Dazu zählen die Dolmetschkabinen der Dolmetschtrainingsanlage (DTA) sowie eine tragbare Dolmetschanlage (Personenführungsanlage), das Studio mit Möglichkeiten zu Audio- und Videoaufnahmen der Verdolmetschungen und die Sprachlabore. Außerdem verfügt das Audimax über weitere Dolmetschkabinen, die ebenfalls für Ihre Ausbildung genutzt werden können.

Schwerpunkte im Studium liegen auf einer angemessenen sprachlichen Realisierung in der Zielsprache, dem korrekt übertragenen Inhalt und dem Üben von professionellem Auftreten und Haltung beim Dolmetschen. Die Übungseinheiten werden durch die Dozierenden und die Studierenden selbst mit persönlichem Feedback ausgewertet. Durch eine in der Regel kleine Gruppengröße ist für eine intensive Betreuung und ein ideales Lernklima gesorgt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit unter den Studierenden zur Vorbereitung auf den Beruf. Diese zeigt sich sowohl beim Teamwork in der Dolmetschkabine als auch bei der Vorbereitung von Dolmetschübungen.

Im zweiten Fachsemester erhalten Sie durch verschiedene Projekte mit Dolmetschbezug einen Einblick in die Berufswelt des Dolmetschens. Die Projekte unterscheiden sich je nach Sprache und beinhalten unter anderem das Dolmetschen in der Erwachsenenbildung bei den Internationalen Trainerkursen (ITK), die simultane Verdolmetschung einer Museumsführung oder die Organisation einer für Übungszwecke gestalteten Konferenz mit externen Rednern sowie Verdolmetschung. Auch verschiedene Theaterprojekte mit simultaner oder konsekutiver Verdolmetschung konnten in den vergangenen Jahren angeboten werden. Durch die Projekte haben Sie die Möglichkeit, andere Dolmetschformen, die im Studium nicht gelehrt werden, zu üben. Im Rahmen desselben Moduls wird ebenfalls das Ferndolmetschen, welches eine zunehmend wichtige Rolle in den Bereichen Community Interpreting und Gerichtsdolmetschen spielt, vorgestellt.

Über den bloßen Dolmetschunterricht hinaus bieten wir verschiedene zusätzliche Aktivitäten auf freiwilliger Basis an. Es besteht zum Beispiel die Möglichkeit, gelegentlich im Rahmen universitätsinterner Veranstaltungen zu dolmetschen. So können Sie weitere Formen des Dolmetschens, wie das Medien- oder Ferndolmetschen, ausprobieren. Nach Möglichkeit bieten wir einmal im Jahr einen Schauspielworkshop an und laden eine Logopädin zum Stimmtraining ein. Darüber hinaus besteht eine Kooperation mit der Generaldirektion Dolmetschen der EU-Kommission (SCIC). Sie können an einer Studienreise nach Brüssel teilnehmen und dort in einer stummen Kabine dolmetschen. In Virtual Classes werden die Aufnahmeprüfungen bei der EU in einer Videokonferenz simuliert und die Leistungen der Studierenden gemeinsam ausgewertet. Eine weitere Einsatzmöglichkeit ist das Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm. Dort können Sie in kurzen Gesprächen das bilaterale Dolmetschen praktizieren.

Freiberuflichkeit oder Festanstellung

Der Masterstudiengang Konferenzdolmetschen bereitet auf eine berufliche Tätigkeit als Dolmetscherin und Dolmetscher in verschiedenen Bereichen vor. Dolmetscherinnen und Dolmetscher sind meist freiberuflich tätig oder arbeiten freiberuflich für spezielle Vermittlungsbüros. Neben den fachlichen Anforderungen ist für diesen Beruf ein ausreichendes Maß an Belastbarkeit und Mobilität notwendig. Weiterhin sind das Vermitteln von kulturell unterschiedlichen Denk-, Sprach- und Verhandlungsmustern, breite Kulturkenntnisse, Aufgeschlossenheit, Anpassungsfähigkeit, eine schnelle Auffassungsgabe und ein sicheres Auftreten Anforderungen an Dolmetscherinnen und Dolmetscher. Eine Festeinstellung ist zum Beispiel bei Bundesministerien, -ämtern und -behörden, bei der EU und anderen internationalen Organisationen oder in Wirtschaftsunternehmen möglich. Auch im Bereich der Erwachsenenbildung und in Justizvollzugsanstalten gibt es Festanstellungen.

Freiberufliche Dolmetscherinnen und Dolmetscher sind neben Konferenzen auch häufig im rechtlichen (Gericht, Polizei), sozialen (Beratungsstellen, Ämter), medizinischen (Krankenhaus/Arztbesuch) oder kulturellen Bereich tätig. Dolmetscherinnen und Dolmetschern mit deutscher Muttersprache bieten sich häufig auch interessante Arbeitsmöglichkeiten im Ausland. Außerdem üben viele Dolmetscherinnen und Dolmetscher, gerade zu Beginn der Berufstätigkeit, auch unterschiedliche berufsbegleitende Tätigkeiten mit translatorischem Bezug aus. Dazu zählen unter anderem das Übersetzen oder Sprachunterricht. Auch Tätigkeiten wie das Projektmanagement können in den Aufgabenbereich fallen.

Spezialisierung

Viele Dolmetscherinnen und Dolmetscher spezialisieren sich früher oder später auf ein oder mehrere Themengebiete. Die Einsatzmöglichkeiten können aber sehr breit gefächert sein, weswegen der Masterstudiengang Konferenzdolmetschen dieser Berufsrealität gerecht werden möchte. Deswegen decken auch die im Studium behandelten Themen ein breites Spektrum ab. So erlaubt das Modul Fachdolmetschen kleinere Einblicke in verschiedene Bereiche der Spezialisierung, wie zum Beispiel das juristische Dolmetschen. Die Fächervielfalt der Universität Leipzig bietet zudem angehenden Dolmetscherinnen und Dolmetschern hervorragende Möglichkeiten, sich außerhalb des Studiengangs näher mit den unterschiedlichsten Themenbereichen zu beschäftigen.

Oftmals unterscheiden sich die Anzahl der Arbeitssprachen und die Dolmetschrichtung je nach Arbeitgeber. So ist bei Ministerien und Bundesämtern generell eher eine sehr starke B-Sprache gefragt, wohingegen die EU-Institutionen auf den Ausbau möglichst vieler C-Sprachen setzen.

Die verschiedenen Berufsverbände für Übersetzer und Dolmetscher – wie zum Beispiel der Bund der Dolmetscher und Übersetzer e. V. (BDÜ), der Verband der Konferenzdolmetscher im BDÜ (VKD), der Deutsche Verband der freien Übersetzer und Dolmetscher e. V. (DVÜD) oder der Internationale Verband der Konferenzdolmetscher (AIIC) – sind von großer Bedeutung für die Interessenvertretung im Berufsstand und bieten ebenfalls speziell auf Studierende zugeschnittene Angebote an. Der VKD verfügt zum Beispiel über ein Nachwuchsprogramm, in dem erfahrenere Mentoren Absolventinnen und Absolventen beim Berufseinstieg unterstützen und im Rahmen des Berufsverbandes über einen Zeitraum von zwei Jahren zusammenarbeiten. Am IALT wird viel Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit diesen Berufsverbänden gelegt, und so werden zum Beispiel Vertreterinnen und Vertreter der Verbände zum zweijährlich stattfindenden Praxistag eingeladen, um ihre Arbeit vorzustellen.

Berufsfelder für Übersetzer und Dolmetscher
Diese Broschüre beschreibt neben den klassischen Tätigkeitsfeldern Dolmetschen und Übersetzen auch weitere Berufsbilder.

Übersetzer und Dolmetscher. Eine internationale Umfrage zur Berufspraxis von Übersetzern und Dolmetschern.
Dieses Buch präsentiert die Ergebnisse der ersten internationalen Befragung von Übersetzern und Dolmetschern mit einem translatorischen Hochschulabschluss an den besten Instituten.

Lost in Translation
In diesem Artikel finden Sie einen kleinen Einblick in die Berufspraxis eines Simultandolmetschers im politischen Bereich.(https://www.zeit.de/2014/21/dolmetscher-politik-probleme).

Alumni berichten
Auf dieser Webseite berichten Alumni über ihren Berufseinstieg und ihre jetzige Tätigkeit.

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