Die spanische Region Galicien hat mehr als 2,8 Millionen Einwohner. Die galicische Sprache wird außer in der im äußersten Nordwesten der Iberischen Halbinsel gelegenen Autonomen Gemeinschaft Galicien in den etwas weiter östlich gelegenen Regionen Asturien, León und Zamora, sowie an drei kleinen Orten der Extremadura gesprochen. Das Galicische ist in diesem Gebiet gleichermaßen verbreitet, es wird also überall neben dem Spanischen auch Galicisch gesprochen. Da im 19. und 20. Jahrhundert viele Galicier ausgewandert sind, gibt es auch an weit entfernten Orten der Welt galicische Gemeinschaften.

Kathedrale in Santiago de Compostela vor blauem Himmel.
Foto: Colourbox

Die galicische Sprache

Das Galicische zählt zu den romanischen Sprachen, ist also genauso wie das Spanische, Französische oder Italienische aus dem Lateinischen hervorgegangen. Dieses wurde von den Römern bis in den äußersten Nordwesten der Iberischen Halbinsel gebracht und hat sich dann eigenständig weiterentwickelt. Im 9. Jahrhundert war diese Entwicklung so weit vorangeschritten, dass von der gleichzeitigen Existenz zweier Sprachen, Latein und Galicisch, gesprochen werden kann. Aus dem ausgehenden 12. Jahrhundert stammen die ältesten literarischen Werke in galicischer Sprache, die sich in jener Zeit zur Sprache der Lyrik der gesamten Iberischen Halbinsel entwickelte. Dabei spricht man bis Mitte des 14. Jahrhunderts von galicisch-portugiesischer Lyrik, da beide Sprachen zu dieser Zeit noch einen gemeinsamen Sprachraum bildeten.

Im Spätmittelalter schwand die Bedeutung der galicischen Sprache und Literatur zusehends und es begannen die sogenannten „dunklen Jahrhunderte“ (16. – 18. Jahrhundert), in denen das Galicische zwar weiter gesprochen und im Alltag benutzt aber nicht mehr geschrieben wurde und auch keinen offiziellen Status hatte. Dies ging vor allen Dingen auf die Dominanz einer herrschenden Gesellschaftsschicht zurück, die aus anderen Regionen nach Galicien gekommen war und kein Interesse am Erhalt der galicischen Sprache und Kultur hatte.

Die Ideale der Aufklärung haben im 18. Jahrhundert dazu beigetragen, dass der geringe Entwicklungsstand des Galicischen erkannt und die Weiterentwicklung der Sprache für die Bereiche Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur angestrebt wurde.

Diese Bewegung zur kulturellen Erneuerung erhält im 19. Jahrhundert den Namen „Rexurdimento“ und bedeutet die Wiedergeburt der galicischen Sprache. Untrennbar damit verbunden ist das vollständig auf Galicisch verfasste Werk Cantares Gallegos von Rosalía de Castro aus dem Jahr 1863. Zudem erschienen die ersten Grammatiken und Wörterbücher der galicischen Sprache.

Erst im 20. Jahrhundert und nach Ende der Franco-Diktatur in Spanien konnte sich das Galicische als eigenständige Sprache mit einer eigenen Kunst und Literatur etablieren. Es erhielt den Status als Amtssprache in Galicien gemeinsam mit dem Spanischen und konnte dank der Festlegung einer Sprachnorm Eingang in die schulische Ausbildung und alle anderen Bereiche der Gesellschaft finden. Das Galicische wird alltäglich im öffentlichen Fernsehen und Rundfunk, in Geschäften und bei Freizeitaktivitäten gesprochen. In anderen Bereichen herrscht noch immer das Spanische vor, etwa in der Wirtschaft und in den Großstädten.

Da im 19. und 20. Jahrhundert viele Galicier ausgewandert sind, gibt es auch an weit entfernten Orten der Welt galicische Gemeinschaften, etwa in Barcelona, Zürich, Montevideo oder Buenos Aires. Die galicische Sprache wird dort nicht nur in den Familien bewahrt, sondern auch in eigenen Zeitschriften, literarischen Werken und Radiosendungen gebraucht.

Das Galicische hat sich aus dem im Nordosten der Iberischen Halbinsel gesprochenen Latein entwickelt und ist daher mit anderen romanischen Sprachen wie dem Spanischen, Katalanischen, Französischen und Italienischen verwandt. Am engsten ist das Galicische jedoch mit dem Portugiesischen verwandt, das in der Mitte des 14. Jahrhundert aus einer ursprünglich gemeinsamen galicisch-portugiesischen Sprache hervorgegangen ist. Obwohl sich beide Sprachen seither eigenständig entwickelt haben, sind sie sich immer noch sehr ähnlich und können von den Sprechern der jeweils anderen Sprache verstanden werden.

In Galicien werden zwei Sprachen gesprochen: das Galicische, das seinen Ursprung in dieser Region hat sowie das Spanische, das in ganz Spanien gesprochen wird. Im Spätmittelalter hat das Spanische das Galicische aus weiten Bereichen der Gesellschaft verdrängt, in denen es heute jedoch seine Bedeutung vielerorts zurückerlangt hat. Das Galicische ist gemeinsam mit dem Spanischen Amtssprache Galiciens, wird in den Schulen unterrichtet, in den Medien sowie im öffentlichen Leben verwendet und ist die meistgenutzte Sprache im Alltag der Galicier. Die Mehrheit der Einwohner Galiciens spricht das Galicische als Muttersprache.

Galicische Sprache und galicische Literatur sind Pflichtfach an allen Schulen Galiciens. Die drei galicischen Universitäten in Santiago de Compostela, A Coruña und Vigo bieten heute philologische Studiengänge zum Galicischen an. An einigen Universitäten im europäischen und amerikanischen Ausland kann man an Lektoraten oder in einzelnen Seminaren ebenfalls Galicisch studieren.

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