Der Leipziger Lehrgang für DaZ Lehrkräfte ist eine Möglichkeit der Zusatzqualifizierung für Lehrkräfte in Integrationskursen mit Alphabetisierung. Er ist vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge als ZQ Alpha anerkannt. Insgesamt umfasst der Lehrgang sechzehn Module (verkürzt acht Module) mit je 5 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten.

Aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens im Zusammenhang mit Covid-19

können derzeit keine Präsenzlehrgänge durchgeführt werden. Sobald eine Lehrgangsplanung möglich ist, finden Sie die Informationen hier.

Aktuelle Lehrgänge

Sobald wieder Präsenzveranstaltungen möglich sind, finden Sie hier die Veranstaltungstermine.

Veranstaltungsort

Die Inhouse-Veranstaltungen zum Leipziger Lehrgang bieten wir in den vom jeweiligen Bildungsträger gestellten Räumlichkeiten an.

Die Veranstaltungen der Lehrgänge in Leipzig finden in den Räumlichkeiten des Herder-Instituts statt. Das Herder-Institut befindet sich im Gebäude des Geisteswissenschaftlichen Zentrums (GWZ), gegenüber der Universitätsbibliothek Leipzig:

Herder-Institut
Philologische Fakultät
Universität Leipzig
Beethovenstraße 15
04107 Leipzig

Kosten

Die Teilnahme am Leipziger Lehrgang kostet 840,- Euro.

Für Teilnehmende,

wird die Teilnahmegebühr für Lehrgänge in voller Höhe übernommen (entsprechende Nachweise sind der Anmeldung beizufügen). Liegt die Aufforderung zum Besuch einer verkürzten Zusatzqualifizierung Alpha (40 UE) vor, übernimmt das BAMF nur die Lehrgangskosten bis zu 420,- Euro. Eine gesonderte Antragstellung für die Kostenübernahme ist nicht erforderlich.

 

Teilnehmende ohne Zulassungs-Zertifikat können eine Bildungsprämie über maximal 420,- Euro Bildungsprämie oder einen Zuschuss bei der Sächsischen Aufbaubank von maximal 600,- Euro Sächsische Aufbaubank beantragen.

Die Förderung über die Sächsische Aufbaubank ist TeilnehmerInnen mit Wohnsitz in Sachsen vorbehalten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Förderung durch die Sächsische Aufbaubank der Förderantrag sechs Wochen vor Anmeldung zum Lehrgang zu stellen ist.

Kursinhalte

Im Zentrum der Weiterqualifizierung steht die Vermittlung von praxisorientierten Kenntnissen und Methodenwissen für den DaZ-Unterricht mit analphabetischen Lernenden.  Die erfolgreiche Unterstützung und Begleitung des Alphabetisierungsprozesses von den ersten Anfängen bis zur Entwicklung fortgeschrittener schriftsprachlicher Kenntnisse wird thematisiert.

Der unverkürzte Lehrgang umfasst insgesamt 16 Module, innerhalb derer Theorie und Praxis der Alphabetisierungsarbeit eng verknüpft sind. Jedes Modul beinhaltet fünf Unterrichtseinheiten à 45 Minuten. Die Reihenfolge kann sich in den einzelnen Durchgängen ändern.

Neben einem kurzen Überblick zur Geschichte der Alphabetisierungsarbeit im deutschsprachigen Raum soll in diesem Modul vor allem an grundlegende Begrifflichkeiten und Konzepte herangeführt werden, die in der Diskussion über das Wie, Was und Wer der Alphabetisierungsarbeit bekannt sein müssen. Darüber hinaus erfolgt eine allgemeine Einführung in das Konzept für einen bundesweiten Alphabetisierungskurs des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge.

In diesem Modul stehen grundsätzliche Überlegungen zum Ablauf von Lernprozessen beim Schriftspracherwerb im Mittelpunkt. Alphabetische und andere Schriftsysteme, Phonem-Graphem-Korrespondenzen im Deutschen, typische Entwicklungsphasen im Schrifterwerb sowie daraus folgende Konsequenzen für die DaZ-Alphabetisierungsarbeit werden  thematisiert.

Ausgehend von der Heterogenität der Lernenden im Bereich der Alphabetisierung in Deutsch als Zweitsprache werden verschiedene Methoden sowohl zum Erwerb elementarer Kompetenzen des Schrifterwerbs als auch zu deren Ausbau im Unterricht mit fortgeschrittenen Lernenden vermittelt. Darüber hinaus geht es um die Vorteile und Grenzen der einzelnen Methoden und ihren binnendifferenzierten Einsatz anhand praktischer Unterrichtsbeispiele. 

Anhand von Beispielen einzelner Lernbiographien werden in diesem Modul individuelle Ursachen von Analphabetismus und ihre Konsequenzen für den zweitsprachlichen Alphabetisierungsunterricht thematisiert. Auch der Einfluss gesellschaftlicher Faktoren wie Migrations- und Bildungserfahrungen oder rechtlicher und sozialer Rahmenbedingungen von Lernenden in Integrationskursen mit Alphabetisierung wird diskutiert.

Auch für Lernende in DaZ-Alphabetisierungskursen ist die Nutzung digitaler Medien aus dem Alltag kaum noch wegzudenken. Inwiefern diese Ressource für den Schriftspracherwerb des Deutschen sinnvoll genutzt werden kann, wird hier thematisiert. Dabei kommen Anforderungen an Akteur:innen und die Technik ebenso zur Sprache wie unterschiedliche digitale Anwendungen und Tools sowie Kriterien für deren Beurteilung mit Blick auf den Einsatz im Alphabetisierungskurs.  

Da die Beratung zur Wahl eines möglichst passenden Kurses selbst von sehr erfahrenen DaZ-Lehrkräften in der Praxis häufig als problematisch wahrgenommen wird, beschäftigen sich die Teilnehmenden in diesem Modul intensiv mit dem Alpha- Baustein des Einstufungssystems für Integrationskurse in Deutschland und dessen Anwendung. Zusätzlich werden unterschiedliche Testformate im Bereich des Schriftspracherwerbs sowie Portfolioarbeit auf ihre Anwendbarkeit in der DaZ-Alphabetisierungsarbeit geprüft.

Zentrales Thema dieses Moduls ist das genaue Hören und Sprechen als eine der Grundlagen des Alphabetisierungsprozesses. Neben der Ausbildung einer phonologischen Bewusstheit werden phonetische Besonderheiten ebenso wie die Systematisierung des Phoneminventars des Deutschen thematisiert. Die TeilnehmerInnen erhalten Einblick in bestehende Konzepte zur schriftbezogenen Förderung von Sprachbewusstheit und setzen diese für die Praxis der zweitsprachlichen Alphabetisierungsarbeit um.

Es werden Kriterien zur Auswahl von Alphabetisierungslehrwerken vorgestellt, diskutiert und anhand einer Auswahl von Lehrwerken aus der vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) herausgebrachten Liste der zugelassenen Lehrwerke für Integrationskurse mit Alphabetisierung  erprobt. Darüber hinaus werden Zusatzmaterialien sowie selbst entwickeltes Lehrmaterial für den Alphabetisierungs- bzw. Anfangsunterricht vorgestellt und begutachtet. 

Unterrichtsansätze, die die Erstsprache der Teilnehmenden eines Alphabetisierungskurses so weit wie möglich einbeziehen, werden sowohl im „Bundesweiten Konzept für einen Alphabetisierungskurs" des BAMF als auch in der einschlägigen Literatur als besonders vielversprechend beschrieben. In welcher Form die Erstsprache beim Schriftspracherwerb genutzt werden kann, in welchen Phasen des Unterrichts dies geschehen sollte und welche Schwierigkeiten sich in der Praxis ergeben können, wird in diesem Modul vermittelt und kritisch diskutiert.

Die Nachhaltigkeit des Alphabetisierungsprozesses ist eine Forderung, die auch bei der Arbeit mit Migrant:innen ein zentrales Anliegen ist. Deshalb wird in diesem Modul  die Frage diskutiert, wie man am besten lernt. Anhand verschiedener offener Unterrichtsformen (z.B. Stationen-Lernen, Werkstattunterricht) und entsprechender Materialien wird konkretisiert, wie die Lernbedürfnisse der Kursteilnehmer:innen Eingang in das Curriculum finden und wie der Transfer des im Unterricht Erlernten in den Alltag gewährleistet werden kann.

Dieses Modul thematisiert wie DaZ-Lernende ohne oder mit nur geringen Schriftkenntnissen ihren Wortschatz selbstständig, systematisch und nachhaltig ausbauen können. Semantisierungstechniken für die Lehrkraft und Möglichkeiten der binnendifferenzierten Wortschatzarbeit werden auf der Grundlage der Unterrichtserfahrungen der Teilnehmenden im DaZ-Bereich gemeinsam im Hinblick auf den Alphabetisierungsunterricht reflektiert. Weiterhin werden Methoden und Unterrichtsideen sowie didaktische Kriterien zur Grammatikvermittlung  ohne Schrift vorgestellt.

In Integrationskursen mit Alphabetisierung fallen immer wieder Lernende auf, die mit der Progression nicht mithalten können und hinter die anderen Teilnehmenden zurückfallen. Es liegt in diesem Fall nahe, dass Lernschwierigkeiten die Entwicklung der Schriftsprachkompetenzen verlangsamen. Gleichzeitig kann es aber auch sein, dass die Ressourcen der Teilnehmenden ungenutzt bleiben. In diesem Modul werden einzelne diagnostische Verfahren vorgestellt, die Lehrenden Hinweise auf mögliche Ursachen geben sollen. Gleichzeitig werden Fördermaterialien präsentiert und Möglichkeiten erarbeitet, wie die Ressourcen der Lernenden zur Problembewältigung zugänglich gemacht und Lernstrategien entwickelt werden können. In diesem Zusammenhang wird ebenfalls der Umgang mit der großen Heterogenität der Lernenden in DaZ- Alphabetisierungskursen anhand von Beispielen thematisiert.

Jede Lernendengruppe unterscheidet sich hinsichtlich der Lernvoraussetzungen, der Lernziele und der Geschwindigkeit des Kompetenzerwerbs. Um einen Unterricht anbieten zu können, der die Spezifika des Alphabetisierungsunterrichts berücksichtigt, wird exemplarisch eine Unterrichtseinheit mit diesem Fokus entwickelt.
Außerdem beschäftigen wir uns in diesem Modul sowohl mit der Evaluierung des Unterrichts durch die Lernenden als auch durch die Lehrenden. Mithilfe der Erkenntnisse aus diesen Rückmeldungen kann eine angemessene und abwechslungsreiche Unterrichtsvorbereitung und -gestaltung erfolgen. Ebenfalls werden Methoden des Feedbacks und der Selbstreflektion vorgestellt und diskutiert.

Im Alphabetisierungsunterricht haben Bilder und Visualisierungen eine bedeutendere Rolle als bei der regulären Vermittlung des Deutschen als Zweitsprache. Bei geringen schriftsprachlichen Kenntnissen ist die Verwendung dieses Mediums eine unverzichtbare Unterstützung zur Vermittlung von Inhalten. Dieses Modul behandelt daher die Verwendung von Bildern in gängigen Alphabetisierungslehrwerken, thematisiert die unterschiedlichen Funktionen von Visualisierungen im Hinblick auf zielgruppenadäquate Lernziele und regt zur Erprobung von Visualisierungstechniken und zu einem spielerischen Umgang mit ihnen an.

In diesem Modul geht es gleichermaßen um die Gestaltung von handlungsorientiertem Alphabetisierungsunterricht im Sinne eines ganzheitlichen Lernens mit Kopf, Hand und Herz wie auch um ein praxisorientiertes Verständnis des Konzepts der sprachlichen Handlung, welches dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen zugrunde liegt. Im Vordergrund stehen u.a. Möglichkeiten der Lehrkräfte, gezielt mit authentischen Materialien und Situationen zu arbeiten und die Lernenden schrittweise an den selbstständigen und selbstbewussten Umgang mit diesen im deutschen Sprachraum heranzuführen.

In diesem Modul wird behandelt, wie die Kursteilnehmenden eines Alphabetisierungskurses durch die Schulung von Lernstrategien, sprachlicher Bewusstheit und Lehrwerkswissen auf die Anforderungen des lebenslangen Lernens vorbereitet werden können. So kann einerseits ein Transfer der im Kurs erworbenen Kenntnisse in den Alltag angeregt und andererseits der Übergang in den Beruf bzw. in weitere Lehr- Lernprozesse erfolgreich und nachhaltig initiiert werden.

Darüber hinaus wird diskutiert, wie in diesem Zusammenhang Themen aus der Grundbildung in den Unterricht einbezogen werden können.