Die bisherigen Zugangswege zu mündlichen Korpusdaten wurden lange Zeit primär an den Bedürfnissen der sprachwissenschaftlichen Forschung ausgerichtet. Für die Sprachdidaktik wichtige Aspekte, die etwa die Schwierigkeit der Sprechereignisse betreffen, fanden keine Berücksichtigung. Daher werden derzeit im Projekt ZuMult Zugriffswege auf Korpusdaten entwickelt, die gezielt sprachdidaktisch relevante Bedürfnisse aufgreifen.

Screenshot der ZUMULT-Oberfläche

Das Projekt

ZuMult steht für „Zugänge zu multimodalen Korpora gesprochener Sprache – Vernetzung und zielgruppenspezifische Ausdifferenzierung“. Es wird in Kooperation des Herder-Instituts der Universität Leipzig (Leitung: Prof. Dr. Christian Fandrych), des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim (Leitung: Dr. Thomas Schmidt) sowie des Hamburger Zentrums für Sprachkorpora an der Universität Hamburg (Leitung: Dr. Kai Wörner) durchgeführt. Gefördert wird es von der DFG im Bereich „Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme (LIS) - Informationsinfrastrukturen für Forschungsdaten“.

Über Fortschritte und Neuigkeiten in und um ZuMult berichten wir im ZuMult-Blog.

Korpora gesprochener Sprache bilden die empirische Basis zur Untersuchung vielfältiger Fragestellungen in der Linguistik (z.B. Gesprächsforschung, Soziolinguistik/Dialektologie, Phonetik/Phonologie, Korpuslexikographie), in der Sprachtechnologie und in weiteren wissenschaftlichen Disziplinen (z.B. qualitative Sozialforschung, Oral History Studies, Bildungsforschung). Die Bedingungen für die Arbeit mit solchen Daten haben sich in den letzten fünfzehn Jahren grundlegend gewandelt. So haben die Entwicklung von Korpustechnologie, die Etablierung von Standards und guten Praktiken, gezielte Initiativen zur Aufbereitung älterer Datenbestände, Projekte zum Aufbau neuer Korpora sowie die Einrichtung von Archiven und Distributionsplattformen dazu geführt, dass die sprachwissenschaftliche Forschung und Lehre nun erstmals in größerer Breite mit umfangreichen Mengen gesprochensprachlicher Daten arbeiten kann.

Forschende, Lehrende und Studierende greifen auf diese Korpora in erster Linie über Web-Plattformen zu, die an verschiedenen Standorten entwickelt wurden und werden. Für die ZuMult-Partner sind dies die Datenbank für Gesprochenes Deutsch, das GeWiss-Korpus-Interface und das Repositorium des Hamburger Zentrums für Sprachkorpora. Alle diese Angebote werden bereits intensiv genutzt, wie etwa mehr als 8000 registrierte Nutzer bei der DGD zeigen. Allerdings hat eine im Vorfeld von ZuMult durchgeführte Nutzerstudie auch ergeben, dass viele konkrete Anwendungsszenarien von einer stärkeren Vernetzung und zielgruppenspezifischen Ausdifferenzierung der Plattformen profitieren würden. Genau dies ist die Zielsetzung von ZuMult.

Ziel des Projektes ZuMult ist es, wichtige Referenzkorpora des gesprochenen Deutsch für bestimmte Nutzergruppen zielgenau durchsuchbar zu machen. Dafür werden die Nutzungsmöglichkeiten mündlicher Korpora vernetzt, professionalisiert und ausdifferenziert. Am Beispiel der Fremdsprachendidaktik bedeutet dies, dass eine gezielte Auswahl von Sprechereignissen nach sprachdidaktisch relevanten Kriterien ermöglicht wird. So sollen Sprechereignisse etwa nach dem Schwierigkeitsgrad, nach dem Anteil gesprochensprachlicher Phänomene und bezüglich des verwendeten Wortschatzes gezielt ausgesucht und im Anschluss dann für sprachdidaktische Zwecke aufbereitet werden können.

Wissenschaftliche Hilfskraft

Anna Pohle

Projektpartner

Leibnitz-Institut für Deutsche Sprache
Dr. Thomas Schmidt (Projektleitung)
Dr. Julia Kaiser (Wissenschaftliche Mitarbeiterin)
Elena Frick (Wissenschaftliche Mitarbeiterin)

Universität Hamburg
Dr. Kai Wörner (Projektleitung)

Ehemalige Teammitglieder

Dr. Cordula Meißner (Herder-Institut, Wissenschaftliche Mitarbeiterin)
Josip Batinic (Leibnitz-Institut für Deutsche Sprache, Wissenschaftliche Mitarbeiterin)
Yvonne Meres (Universität Hamburg, Wissenschaftliche Mitarbeiterin)