Auf einen Blick

Warum verwenden Menschen manchmal unterschiedliche Wörter für dieselbe Situation? Und was sagt diese Vielfalt über unser mentales Lexikon aus? Das Projekt VarLeM geht diesen Fragen nach und untersucht, wie sich Wortgebrauch zwischen Sprecher:innen unterscheidet und welche Muster dahinter stehen.

Projekt auf einen Blick

  • Förderprogramm: Emmy-Noether-Programm der DFG
  • Fördergeber: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
  • Laufzeit: 2025–2031 (2 Förderphasen)
  • Leitung: Dr. Anna Shadrova
  • Institution: Universität Leipzig, Herder-Institut
  • Team: Nachwuchsforschungsgruppe

Kurzüberblick

Wenn Menschen dieselbe Situation beschreiben, zum Beispiel ein Video oder einen Weg, verwenden sie oft überraschend unterschiedliche Wörter. Diese Vielfalt ist so groß, dass sich selbst in kleinen Stichproben kaum Überschneidungen finden.

Das Projekt VarLeM untersucht, warum das so ist: Folgt diese Variation bestimmten Mustern? Und was verrät sie über die Organisation unseres mentalen Lexikons – also darüber, wie Wörter im Kopf gespeichert und abgerufen werden?

Das Problem

Die starke Variabilität im Wortgebrauch stellt zentrale Annahmen der bisherigen Forschung infrage. Viele Modelle gehen davon aus, dass sprachliche Muster statistisch stabil sind. Unsere Beobachtungen zeigen jedoch, dass selbst in identischen Aufgaben sehr unterschiedliche lexikalische Entscheidungen getroffen werden.

Gleichzeitig deuten erste Analysen darauf hin, dass diese Variation nicht zufällig ist. Es zeigen sich wiederkehrende Muster – allerdings auf Ebenen, die bisher kaum systematisch untersucht wurden, etwa im zeitlichen Verlauf eines Textes.

Beispiele aus der Forschung

Einige Beobachtungen aus bisherigen Daten verdeutlichen das Problem:

  • Manche Sprecher bevorzugen Kombinationen wie „Sozialsysteme überarbeiten“ – also eher komplexe, mehrsilbige Wörter.
  • In Texten lässt sich beobachten, dass Sprecher nach der Verwendung eines bestimmten Verbschemas (z. B. Partikelverben wie aufmachen) dazu neigen, kurzfristig viele ähnliche Formen zu verwenden.
  • Mehrsprachige Sprecher zeigen systematische Einflüsse ihrer anderen Sprachen, etwa bei Bewegungsverben wie „rüberrennen“.

Solche Muster entstehen offenbar nicht nur durch Bedeutung, sondern auch durch Aktivierungsprozesse im mentalen Lexikon.

Zentrale Forschungsfragen

Das Projekt geht unter anderem folgenden Fragen nach:

  1. Gibt es stabile Muster im Wortgebrauch einzelner Sprecher?
  2. Lassen sich unterschiedliche „Sprecher“ identifizieren?
  3. Wie stark verändert sich der Wortgebrauch innerhalb einer Person über die Zeit?
  4. Welche Rolle spielt Mehrsprachigkeit für diese Prozesse?
  5. Hängen sprachliche Muster im Text mit messbaren kognitiven Prozessen zusammen?

Untersuchungsmethoden

Das Projekt kombiniert mehrere methodische Ansätze:

  • Korpusanalysen: Mehrfache Erhebung vergleichbarer Aufgaben mit denselben Sprecher
  • Vergleich von Gruppen: einsprachige, mehrsprachige und DaF-Sprecher
  • Longitudinaldaten: Beobachtung von Entwicklungen über die Zeit
  • Experimente: z. B. Reaktionszeitmessungen zur Untersuchung kognitiver Prozesse

Ziel ist es, sprachliche Muster im Gebrauch mit Eigenschaften des mentalen Lexikons in Beziehung zu setzen.

Zentrale Ziele des Projekts

Das Projekt verfolgt drei zentrale Ziele:

  1. Muster sichtbar machen
    Wir erfassen systematisch, welche Regelmäßigkeiten im Wortgebrauch auftreten und entwickeln neue Methoden, um sie vergleichbar zu machen.
  2. Mehrsprachigkeit besser verstehen
    Wir untersuchen, wie sich Mehrsprachigkeit und Sprachstand auf den Wortgebrauch auswirken.
  3. Sprache und Kognition verbinden
    Wir prüfen, ob sich beobachtete Muster im Sprachgebrauch in experimentellen Daten widerspiegeln – und was das über das mentale Lexikon aussagt.

Warum ist das wichtig?

Die Ergebnisse sind relevant für mehrere Bereiche:

  • Sprachwissenschaft: Neue Perspektiven auf die Struktur und Dynamik des Lexikons
  • Sprachlernen und Didaktik: Besseres Verständnis von Lernprozessen im Deutschen als Fremdsprache
  • Mehrsprachigkeitsforschung: Einblicke in die Wechselwirkungen zwischen Sprachen
  • Textproduktion: Neue Ansätze zur Bewertung und Analyse von sprachlicher Variation

Langfristig trägt das Projekt dazu bei, Sprache nicht nur als statisches System, sondern als dynamischen Prozess zu verstehen.

Unsere Partner:innen

Neuigkeiten aus unserem Projekt

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Veröffentlichungen

Team

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Dr. Anna Shadrova

Gruppenleitung

Herder-Institut
Geisteswissenschaftliches Zentrum
Beethovenstraße 15
04107 Leipzig

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Gajaneh Hartz

Wiss. Mitarbeiterin

Herder-Institut
Geisteswissenschaftliches Zentrum
Beethovenstraße 15
04107 Leipzig