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Seit Mitte November läuft am Herder-Institut in Kooperation mit dem Sprachenzentrum das neue Forschungsprojekt „Sprachliche, strategische und soziokulturelle Anforderungen für die gesellschaftliche Teilhabe in Deutschland“ (SAGT).

Sprache ist ein zentraler Schlüssel für gesellschaftliche Teilhabe. Integrationskurse spielen dabei in Deutschland eine wichtige Rolle: Sie unterstützen Zugewanderte beim Erwerb der deutschen Sprache und helfen, sich im Alltag, im Berufsleben und im gesellschaftlichen Zusammenleben zurechtzufinden. Die gesellschaftlichen Wirkungen dieser Kurse sind aus sozialwissenschaftlicher Perspektive gut erforscht. 

Die empirische Ermittlung der Sprachbedarfe und konkreten kommunikativen Anforderungen für die aktuelle Version des Rahmencurriculums, das als Basis für den Integrationskurs fungiert, stammt aus dem Jahr 2007 -  und ist damit deutlich in die Jahre gekommen. Seitdem haben sich gesellschaftliche Rahmenbedingungen, rechtliche Vorgaben und sprachliche Praktiken erheblich verändert. Vor diesem Hintergrund wird der Bedarf nach einer aktuellen, differenzierten und systematischen Bedarfsanalyse und der Neubewertung des etablierten Verfahrens besonders deutlich.

Das Projekt reagiert auf diese Entwicklung: Auf der Grundlage von Zielgruppenanalysen, der Untersuchung realer Kommunikationsanforderungen sowie von Fokusgruppeninterviews und begleitenden Beobachtungen entsteht ein Bild dessen, was sprachliche Handlungsfähigkeit aktuell im Migrationskontext Deutschland ausmacht. Ergänzend beleuchtet eine Impactstudie die Wirkung des den Integrationskurs abschließenden Testverfahrens auf die weiteren Lebensverläufe der Teilnehmenden. Insgesamt soll so ein besseres Verständnis dafür entstehen, wie Sprache gesellschaftliche Teilhabe im Alltag ermöglicht, erleichtert – oder auch erschwert. Der Fokus liegt dabei nicht auf formalen Vorgaben, sondern auf realen Erfahrungen, Herausforderungen und Handlungsspielräumen.

Das auf drei Jahre angelegte Vorhaben wird von Prof. Dr. Olaf Bärenfänger (Direktor des Sprachenzentrums) gemeinsam mit Prof. Dr. Katrin Wisniewski (Gerhard-Helbig-Professur für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, Herder-Institut) geleitet. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) der Europäischen Union, die in Deutschland durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) verwaltet werden. (Fördernummer: 9168-2025-0973)