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Veranstaltungsort: Bibliotheca Albertina, Beethovenstraße 6 / RDG-Stiftung (Polnisches Institut), Markt 10, 04109 Leipzig

Die Konferenz nimmt slawische und iberoamerikanische Literaturen des 21. Jahrhunderts in den Blick und geht der Frage nach, wie Geschichte in Familienerzählungen für die eigene Identitätsbildung eines Kollektivs funktionalisiert werden.

Familienkonstellationen und Transnationale historische Imaginarien in den Iberoamerikanischen und Slawischen Literaturen des 21. Jahrhunderts

eine von der Fritz Thyssen Stiftung geförderte internationale Tagung

Die Konferenz nimmt slawische und iberoamerikanische Literaturen des 21. Jahrhunderts in den Blick und geht der Frage nach, wie Geschichte in Familienerzählungen für die eigene Identitätsbildung eines Kollektivs funktionalisiert werden.

Die Konferenz stützt sich auf drei konzeptionelle Hauptachsen: Gemeinsam ist diesen Narrativen, dass sie jeweils spezifische Konstellationen der historischen Imagination und der Familie konstruieren, wobei "Familie" hier weniger als organische Mikroeinheit, sondern vielmehr als wechselnde, multiple Beziehungen zwischen einzelnen Mitgliedern, Paten, Verwandten ersten und zweiten Grades, nicht blutsverwandten Familienmitgliedern, anwesenden und abwesenden Mitgliedern, Adoptivkindern usw. verstanden wird. Es scheint daher, dass diese Romane nur unzureichend als "Familienromane" charakterisiert sind und andere typologische Rubriken und Interpretationsrahmen benötigen.

Darüber hinaus zeichnen sich diese historisch begründeten Romane beider Räume dadurch aus, dass sie oft post-generational sind: Sie werden von Angehörigen einer Generation geschrieben, die in der Regel die historischen Ereignisse nicht unmittelbar erlebt hat, die aber dennoch als konstitutiv für die Deutung der Gegenwart und gegenwärtiger Identitäten angesehen werden. Bezeichnend ist auch, dass diese Narrative nicht mehr als Repräsentanten nationaler Identitäten verstanden werden, sondern paradigmatisch für ein Kollektiv sprechen, das sich losgelöst von nationalen Rahmen und Grenzen, seien sie regional, ethnisch, religiös oder ideologisch, definiert. Gleichzeitig verspricht die vergleichende Gegenüberstellung iberoamerikanischer und slawischer Literaturen fruchtbare Diskussionen über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten (Kriegserfahrungen, politische Ideologien, Postdiktatur) in einem Spektrum zeitgenössischer literarischer Werke.

Wir freuen uns, dass wir zwei Hauptrednerinnen gewinnen konnten, die diesem Fragenkomplex im Rahmen dieser vergleichenden Tagung nachgehen und dabei insbesondere die konzeptionellen Parallelen zwischen den jeweiligen literarischen Produktionen berücksichtigen: Prof. Dr. Tamara Hundorova (Institut für Literatur, Nationale Akademie der Wissenschaften in Kiew, Ukraine) und Prof. Dr. Maria de Fátima de Marinho, (Institut für Portugiesische und Romanische Philologie, Universität Porto, Portugal).

Die Konferenz ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Konferenz wird hybrid durchgeführt - bitte kontaktieren Sie wegen Zusendung des Links Frau Dr. Ángela Calderón (angela.calderon@uni-leipzig.de).